Die Angst vor dem Märchen
Es ist eine jener Premieren, die geradezu schizophren wahrgenommen wird: Fast geschlossen freut sich die zahlreich erschienene Presse an Christina Gassens Inszenierung von «Hänsel und Gretel» am Mainzer Staatstheater. Doch beinahe ebenso geschlossen hatte das Premierenpublikum lautstark gegen die Deutung votiert – Publikumsbeschimpfung aus den eigenen Reihen eingeschlossen.
Was war geschehen? Nichts, was einen geneigten Theaterbesucher anderswo entsetzen müsste.
Die junge Regisseurin, die ihr Handwerk von Intendant Georges Delnon gelernt hat und schon für zahlreiche inspirierende Erlebnisse auf der Mainzer Studiobühne TiC verantwortlich zeichnete («Die schöne Galathée», Kreneks «Vertrauenssache»), spürt auf der Bühne des Großen Hauses dem dunklen Sinngehalt des Märchenstoffes nach. Kein Zauberwald, kein Hexenhäuschen – aber das ist nun wirklich nichts Neues mehr. Oder für Mainz etwa doch?
Rückblende: Das Mainzer Theater erfährt noch keine fünfzehn Jahre «Staatstheater»-Würde, und die inhaltliche Füllung dieses Begriffes ist mit dem scheidenden Schweizer Intendanten Delnon verbunden, der dem Theater erst seit 1999 vorsteht. Immer noch gibt es in der Karnevalsmetropole Tabus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schön war er beileibe nicht, wenn man der von der Fondazione Giorgio Cini in Venedig aufbewahrten Zeichnung von Marco Ricci glaubt: Ein großer Körper mit zu kleinem Kopf, fettleibig und froschgesichtig, posiert er mit Helm und Federbusch. Der Alt-Kastrat Francesco Bernardi (ca.1680-1759), der sich nach seiner Geburtsstadt Siena «Senesino» nannte, war neben seinem...
Sie ist die Strippenzieherin im Reiche Roms. Sie will den Kaiser ermorden lassen, weil der es zunächst ablehnt, sie zu heiraten. Vitellia ist eine Auftraggeberin für Killer, die die schmutzige Arbeit an ihren Geliebten Sesto delegiert und am Ende doppelt glücklich davonkommt, weil das Attentat gescheitert ist und sie ausgerechnet von ihrem Wunschopfer begnadigt...
«Mozart war einer jener Denker und Bürger, die sich intensive Gedanken über das ‹nächste› Europa machten (...) Wo Mozart aufhörte, beginnen wir», sagte Regisseur Peter Sellars in einer Pressekonferenz Ende November in Wien, bei der er das ambitionierte Gesamtprogramm des Festivals «New Crowned Hope» (14. November bis 13. Dezember 2006) vorstellte. Das Budget,...
