Die Angst vor dem Märchen
Es ist eine jener Premieren, die geradezu schizophren wahrgenommen wird: Fast geschlossen freut sich die zahlreich erschienene Presse an Christina Gassens Inszenierung von «Hänsel und Gretel» am Mainzer Staatstheater. Doch beinahe ebenso geschlossen hatte das Premierenpublikum lautstark gegen die Deutung votiert – Publikumsbeschimpfung aus den eigenen Reihen eingeschlossen.
Was war geschehen? Nichts, was einen geneigten Theaterbesucher anderswo entsetzen müsste.
Die junge Regisseurin, die ihr Handwerk von Intendant Georges Delnon gelernt hat und schon für zahlreiche inspirierende Erlebnisse auf der Mainzer Studiobühne TiC verantwortlich zeichnete («Die schöne Galathée», Kreneks «Vertrauenssache»), spürt auf der Bühne des Großen Hauses dem dunklen Sinngehalt des Märchenstoffes nach. Kein Zauberwald, kein Hexenhäuschen – aber das ist nun wirklich nichts Neues mehr. Oder für Mainz etwa doch?
Rückblende: Das Mainzer Theater erfährt noch keine fünfzehn Jahre «Staatstheater»-Würde, und die inhaltliche Füllung dieses Begriffes ist mit dem scheidenden Schweizer Intendanten Delnon verbunden, der dem Theater erst seit 1999 vorsteht. Immer noch gibt es in der Karnevalsmetropole Tabus ...
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