Die Angst vor dem Märchen

Christina Gassen sorgt mit einer mutigen «Hänsel und Gretel»-Inszenierung in Mainz für Aufruhr

Opernwelt - Logo

Es ist eine jener Premieren, die geradezu schizophren wahrgenommen wird: Fast geschlossen freut sich die zahlreich erschienene Presse an Christina Gassens Inszenierung von «Hänsel und Gretel» am Mainzer Staatstheater. Doch beinahe ebenso geschlossen hatte das Premierenpublikum lautstark gegen die Deutung votiert – Publikumsbeschimpfung aus den eigenen Reihen eingeschlossen.
Was war geschehen? Nichts, was einen geneigten Theaterbesucher anderswo entsetzen müsste.

Die junge Regisseurin, die ihr Handwerk von Intendant Georges Delnon gelernt hat und schon für zahlreiche inspirierende Erlebnisse auf der Mainzer Studiobühne TiC verantwortlich zeichnete («Die schöne Galathée», Kreneks «Vertrauenssache»), spürt auf der Bühne des Großen Hauses dem dunklen Sinngehalt des Märchenstoffes nach. Kein Zauberwald, kein Hexenhäus­chen – aber das ist nun wirklich nichts Neues mehr. Oder für Mainz etwa doch?
Rückblende: Das Mainzer Theater erfährt noch keine fünfzehn Jahre «Staatstheater»-Würde, und die inhaltliche Füllung dieses Begriffes ist mit dem scheidenden Schweizer Intendanten Delnon verbunden, der dem Theater erst seit 1999 vorsteht. Immer noch gibt es in der Karnevalsmetropole Tabus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2006
Rubrik: Magazin, Seite 24
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
Strauß: Die Fledermaus

Es muss ja nicht gleich alles auf silvestertaugliche Nostalgiebilder hinauslaufen, die Strauß’ «Fledermaus»-Phantasmagorie aus der Spätphase der k. u. k.-Monarchie zur seligen Walzerparade verharmlosen, wenn der in Polka, Galopp und Dreischritt eingeschriebene Hintersinn des Stücks auf der Bühne Gestalt annehmen soll. Jene morbide Wiener Sozietät der Eisensteins,...

Bizarre Traumwelt

Fast zehn Jahre hat sich Pascal Dusapin für sein viertes Bühnenopus «Perelà – uomo di fumo» Zeit genommen. Und – um es vorweg zu sagen – jede Minute der ausgedehnten Inkubationsphase hat sich ausgezahlt: ein großer Wurf! In dem durch einen Roman des italienischen Futuristen Aldo Palazzeschi («Il codice di Perelà», 1911) inspirierten, 2003 an der Pariser...

Scheite am Main

26. April 1986: Im Reaktorblock nahe der russischen Stadt Tschernobyl ereignet sich der Unfall, der angeblich niemals passieren sollte. Durch eine Kernschmelze wird Strahlung in hoher Menge freigesetzt, verseuchte Wolken ziehen über Russland bis nach Süddeutschland und weiter. Während seiner Inszenierung von Wagners «Ring des Nibelungen» 1981-1986 am Krefelder...