Dicht am Heute
Epochenumbrüche gehen mit brutalen Verwerfungen einher. Der zwischen Antike und Mittelalter liefert hierfür ein Paradebeispiel. Das Römerreich fällt unter dem Ansturm von Völkern jenseits seiner Grenzen, angeführt etwa von Hunnenkönig Attila. Doch billigt ihm der Regisseur Leo Muscato als Einziger der Hauptfiguren in Verdis 1846 an La Fenice uraufgeführtem Frühwerk menschliche Größe zu. Ob angesichts von Freund oder Feind, Frau oder Mann: Der Herrscher aus den Steppen Asiens achtet Aufrichtigkeit und Tapferkeit. Misstrauen liegt ihm fern.
Kräftig hingegen kratzt Muscato an den Zustimmungswerten für die Opfer und Widersacher des Eroberers. So leitet denn bloße Rache für den Vater und keineswegs der Freiheitskampf für ihr Volk die vermeintliche Heroine Odabella. Sie ist eben keine biblische Judith, zu deren Nachfolgerin sie sich gegenüber dem Geliebten erklärt. Illoyal zu seinem Kaiser, treibt der römische Generalissimus Ezio sein ganz eigenes Machtspiel im Ringen um die Herrschaft über Italien. Selbst Foresto, der die Flüchtlinge vor den Okkupanten in Venedigs für Hunnenreiter unzugängliche Lagune und damit in Sicherheit führt, scheut nicht vor dem feigen Giftanschlag auf Attila. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Michael Kaminski
Pietro Antonio Domenico Bonaventura Trapassi war der Erste. Unter seinem Künstlernamen Pietro Metastasio schrieb der italienische Dichter Hunderte von Libretti, die nicht nur den Grundstein für eine außergewöhnliche Kunstform legten, sondern zugleich ihren fortwährenden Ruhm begründeten; noch heute betören Metastasios Schöpfungen durch ihren Erfindungsreichtum,...
Der Mensch, so hat es, sehr spitzfindig und süffisant, einmal T. S. Eliot formuliert, ist nicht imstande, viel Realität zu ertragen. Was häufiger, als man gemeinhin denken sollte, zur Folge hat, dass dieser Mensch dann in eine Traumwelt entflieht, dorthin, wo er zumindest das Gefühl, eine Ahnung von Freiheit hat, auch wenn dies nur eine Fata Morgana ist, die ihm...
Sinnsuche
Eine Oper? Noch vor einigen Jahren war Rebecca Saunders sicher, dass dieses Genre nichts für sie sei. Zu komplex, zu weit weg von ihren Idealen. Nun hat die britische Komponistin ihre Meinung geändert. An der Deutschen Oper Berlin kommt ihr Musiktheater «Lash» auf ein Libretto, das sie gemeinsam mit dem Videokünstler Ed Atkins geschrieben hat, heraus. Wir...
