Deus ex machina

Hans Neuenfels stellt an Berlins Lindenoper mit Oscar Wilde die «Salome» von Richard Strauss ruhig; im Graben kämpft der junge Dirigent Thomas Guggeis

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Mondsüchtiger Taumel, laszive Erotik, rasende Obsessionen – schon die betörend schillernde Klarinettenfigur, mit der Strauss die Prinzessin aus Judäa einführt, lässt keinen Zweifel, dass sich etwas zusammenbraut. Im sehrenden Anfang schwingt das tödliche Ende bereits mit. All die Exzesse, Fantasien und Gefühlsexplosionen, die der 1905 in Dresden uraufgeführten «Salome» den (für den Komponisten höchst einträglichen) Ruf eines Skandalstücks bescherten, scheinen, raffiniert maskiert, in diese erste Arabeske eingeschrieben – Klangchiffre einer vergifteten Verführung.

Man hätte gern vernommen, wie Christoph von Dohnányi dieses Motiv mit der Staatskapelle aufgegriffen, wie er die unwiderstehlich unheilvolle cis-Moll-Strahlung entzündet und befeuert hätte, bis sie mit Salomes verzücktem Schlussgesang («Ah! Du wolltest mich deinen Mund nicht küssen lassen») alles verbrennt wie das höllenheiße Licht eines sterbenden Sterns. Unvergessen ist die «Salome», die von Dohnányi vor 26 Jahren am Pult der Wiener Philharmoniker in Salzburg dirigierte, mit Catherine Malfitano, dem jungen Bryn Terfel als Jochanaan, mit Hanna Schwarz (Herodias) und Kenneth Riegel (Herodes). Die Spannung zwischen Intimität ...

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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 13
von Albrecht Thiemann

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