Der wiedererweckte Held

Lullys «Amadis» unter Christophe Rousset in einem Live-Mitschnitt aus Versailles

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Jean-Baptiste Lully und sein Librettist Philippe Quinault schufen die Tragédie lyrique, auch Tragédie en musique genannt, als nationales französisches Musiktheater. Bewusst sah man sich als musikalisches Pendant zur klassischen französischen Tragödie von Corneille und Racine, setzte sich von der italienischen Oper ab und strebte ein Gleichgewicht zwischen gereimtem Text, Musik, Kostümen, Tanz, «Maschinierie» usw. an.



Entstammten die Stoffe der ersten Tragédie lyriques noch der Sphäre antiker Götter und Helden, so stiegen Lully und Quinault mit «Amadis» vom Olymp herab: Ludwig XIV. selbst hatte eine Erneuerung des Genres angeregt und für diese Oper einen Stoff angeraten, der sein Sujet von einem mittelalterlichen Ritterroman bezog. Immer noch spielte das Ganze freilich in einer Traumwelt von privaten Händeln, Machtkämpfen und dem endlichen Triumph der treuen Liebe. Nach wie vor war es auch selbstverständlich, im Prolog das Lob des Sonnenkönigs zu singen: Er ruft als «neuer Held» den einst in ritterlichem Kampf getöteten Amadis wieder ins Leben und wird so zum Ursprung der Abenteuer, die der Wiedererweckte nun erneut zu bestehen hat.

Leider machte der Himmel dem Komponisten und dem in ...

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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: CD des Monats, Seite 31
von Detmar Huchting

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