Der Wanderer

Mit seinem Körper hatte die Natur es nicht gut gemeint: Schon in jungen Jahren schien für den von schweren Erkrankungen Heimgesuchten das Ende aller Tage nahe. Doch bei einem wie Peter Jonas mobilisierte die ständige Bedrohung der Physis umso stärker die Lebensgeister. Die inspirierende, unberechenbare Vitalität eines formbewussten, gewitzten, durchsetzungsstarken, den Künsten verfallenen Asketen, dessen Stern weit über die English National Opera in London und die Bayerische Staatsoper in München hinausstrahlte, die ihm bis heute wirkende Impulse verdanken

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Am 22. April ist Sir Peter Jonas gestorben, in einem Münchner Krankenhaus, nach lebenslanger Krankheit. Aber es war am Ende nicht der Krebs, der ihn tötete, sodass ihm die endgültige Genugtuung zuteil wird, die Bestie besiegt zu haben, die ihn jahrelang verfolgt hatte. Anfang der 1970er-Jahre wurde bei ihm das Hodgkin-Lymphom diagnostiziert, für das genau zu diesem Zeitpunkt erste Therapien entwickelt wurden, und wie durch ein Wunder begleitete der wissenschaftliche Fortschritt alle gesundheitlichen Bedrohungen, die während der folgenden 50 Jahre fast jeden Teil seines Körpers befielen.

Dass er so lange überlebt hat, ist ein Beweis für seine Tapferkeit, ganz zu schweigen von seiner außerordentlichen Sturheit. Aber er hat viel mehr getan, als nur zu überleben. Sein Charakter, seine Großzügigkeit, seine Entschlossenheit, sein Wagemut und seine inspirierende Führungskraft waren gewissermaßen das Resultat seines von der Krankheit geprägtem Wissens um die Zerbrechlichkeit und den Wert des Lebens. Peter wusste besser als jeder andere, dass das Leben alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.

Peters Vater war ein Hamburger Arzt, und er gehörte einer riesigen, bis nach New York ...

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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: In Memoriam, Seite 48
von David Pountney

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