Der verflixte Kanon

Bernd Asmus, Claus-Steffen Mahnkopf und Johannes Menke denken über «Schlüsselwerke der Musik» nach

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Es gibt einen Solitär unter Mozarts Liedern: «Die Alte» – original in e-Moll, «Ein bischen durch die Nase» zu singen. Eine Parodie, wenn nicht Karikatur. Eine betagte Dame der besseren Gesellschaft stimmt das unverwüstliche Lamento an: wie gut doch alles früher war und wie schlimm die Gegenwart. Ein Gespenst, das auch in vielen kulturpessimistischen Tiraden umgeht, das Gespenst des «Kanons».

Es schwebt über allen möglichen ästhetischen, pädagogischen, kulturpolitischen Debatten, signalisiert scheinbar unverrückbar, was «man»  gelesen, gehört, gesehen, gespielt haben sollte. Nur: Natürlich variiert Kanonisiertes in Zeit und Raum erheblich. Mussten Schüler einst die deutschen Kaiser und lange Schiller-Balladen auswendig lernen, so galten damals «Così fan tutte», «Idomeneo», oder «La clemenza di Tito» keineswegs als Standard, und niemand spielte Schubert-Sonaten. Das Repertoire ähnelt einer Blase, die sich unaufhörlich dehnt und verengt, Aspekte fokussiert oder negiert. Und was als bildungsbürgerlich verpflichtende Norm galt, ist heute weit weniger gültig. Im Blick auf das Beethoven-Jahr 2020 lässt sich feststellen, dass der Komponist, Inbegriff «erhabener» Klassik, nicht mehr per se ...

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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard R. Koch

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