Der Sinn des Lebens
Ein Satz wie ein Keulenschlag: «Die Menschen sterben und sind nicht glücklich.» Der ihn verkündet, kurz nachdem seine geliebte Schwester Drusilla gestorben ist, kreist selbst zeitlebens um ihn – zumindest in Detlev Glanerts «Caligula», das, frei nach Camus’ gleichnamigem (existenzialistischen) Drama, den Verfall eines Menschen zeichnet, der sich im Angesicht des tragischen Verlusts der Absurdität allen Daseins bewusst wird. 2006 in Frankfurt uraufgeführt und seitdem immer wieder an anderen Opernhäusern gegeben, feierte die Oper nun am Deutschen Nationaltheater Weimar Premiere.
Kaum ist das Unglück geschehen, verschwindet Caligula für drei Tage, um als veränderter Mann wieder aufzutauchen. Von nun an will er den Menschen um sich herum verdeutlichen, was ihm während seiner Absenz klar geworden ist: Das Leben ergibt keinen Sinn. Also erfindet er absurde Gesetze, lässt ohne Grund Unschuldige hinrichten, verletzt, vergewaltigt, wütet wahllos, erliegt schließlich dem Wahn. Glanerts Musik, die gleichsam als Blick ins Seelenleben seines Antihelden fungiert, fächert Caligulas Getrieben-Sein noch weiter auf. Ihr fehlt die Mitte, und das absichtsvoll. «Es gibt», so der Komponist, «in allen ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Katharina Stork
Thierry Tidrows Oper «Der Häßliche» nach dem gleichnamigen Theaterstück von Marius von Mayenburg (und auf ein Libretto von Manfred Weiß) trifft den Nerv der Zeit: In den Kinos lief parallel zur Dortmunder Uraufführung Karoline Herfurths Film «Wunderschön». Auch die Inszenierung von Zuzana Masaryk setzt sich – ernst, absurd, kurzweilig – mit Schönheitsidealen und...
Am Anfang waren da nur die Töne. Töne wie Tropfen, die sich zusehends verdichteten, zu stahlummantelten, mikrotonalen Trauben. Aber schon bald kamen die Bilder hinzu, in denen sich Georg, trauriger Antiheld in Arnulf Hermanns hermetisch-verrätseltem Musiktheater «Der Mieter» (nach Roland Topors Roman «Le Locataire chimérique»), verlor: Bienek’scher Zellenbewohner,...
Wenn Sänger oder Sängerinnen in den Musiktheater-Regiestuhl wechseln, muss das nicht bedeuten, dass sie sich am «Regietheater» abarbeiten oder gar «rächen» wollen. Es kann auch produktiv neue, gleichsam aus der praktischen Arbeitsperspektive gewonnene Energien freisetzen. In diesem Sinne scheint es ein Glücksfall, dass die renommierte, durch ihr Salzburger...
