Der Pol als Parabel
Die Ponys hören zu. Erst eines. Ein Ganzton, dann ein Halbton aufwärts, lange und leise gehalten. Dann kommen fünf weitere dazu, schmiegen sich unter die Gesangsphrase ihres Herrn. Jedes hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigene triolische Bewegung, seine eigene chromatische Linie. Alle sind genau in der Partitur notiert, im Bassschlüssel. Sechs Ponys, das sind sechs Hörner. «Amundsen erscheint mir ständig in meinen Träumen», singt Scott. Auch die Hunde hören zu. Erst einer, dann – einen Ganzton tiefer – ein zweiter, dann vier weitere.
Sie schmiegen sich unter die Gesangsphrase ihres Herrn. Sie sind im Violinschlüssel notiert: sechs Hunde, sechs Klarinetten, nicht ganz so individuell wie die Ponys. Die Hunde bilden ein Rudel. «Scott quält mich in meinen Träumen», singt Amundsen.
Eine «double opera» nennen Miroslav Srnka und Tom Holloway ihr neues Stück, das von der Bayerischen Staatsoper in Auftrag gegeben und jetzt dort uraufgeführt wurde. Es strotzt von Symmetrien, von Parallelaktionen. Es lebt vom Aneinander-Vorbei. Amundsen und Scott sind sich nie begegnet. Und doch bleiben ihre Schicksale untrennbar miteinander verbunden. Ende 1911 brachen beide auf, um den Südpol zu erobern. ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Stephan Mösch
Sie haben in München an Zimmermanns «Soldaten» oder Strauss’ «Frau ohne Schatten» mitgearbeitet, dazu in eigenen Vorstellungen Mozart, Donizetti, Verdi und Johann Strauß dirigiert – gibt es noch weiße Flecken in Ihrem Stil-Repertoire?
In der ersten Saison war ich ausschließlich als Assistentin Kirill Petrenkos aktiv, dann hat sich der Tätigkeitsbereich erweitert....
Die Bühne bleibt schwarz, während die Polonaise zum dritten Akt erklingt. Barrie Kosky zeigt uns keinen Ball beim Fürsten Gremin. Das Schweigen der Bilder könnte ein Gleichnis sein für das Trauma, unter dem Jewgeni Onegin leidet, seit er seinen Freund Lenski im Duell getötet hat. Das Schweigen der Bilder könnte aber auch hier, an der Komischen Oper Berlin, Ausdruck...
Die elegante Kuppel, ein Zeichen für die Stadt. Beton, Stahl, Glas, das Mark des neuen Industriereviers. Der Vorplatz, eine Bühne für die Besucher. So hatten Heinrich Rosskotten und Edgar Tritthart, die Architekten der OPER DORTMUND, sich die Botschaft ihres Entwurfs gedacht. Den geistigen Aufbruch, die mentale Wende nach den Verheerungen des Krieges sollte er...
