Der Magier als Maestro, der Maestro als Magier
Der Wald steht schwarz und schweiget keineswegs. Kleine Lichtschneisen durchzittern sein dichtes Laub, geben uns ein Gefühl für seine prächtigen Baumkronen. Aus dem Geäst kommen Fanfaren und Stimmen. Menschen? Naturwesen eher, bemoost am ganzen Körper oder mit Blättern überzogen. Oder doch Soldaten mit Grasbüscheln auf den Helmen? Schwer zu sehen, schwer zu sagen. Dann plötzlich ragt ein quietschgelbes Schlauchboot aus dem Gestrüpp. Aha, dieser Wald ist doch nicht gemacht, damit sich die konservativen Wagnerianer endlich einmal zurücklehnen können.
Wozu aber dann? Lautlos knicken Bäumstämme um. Das Biotop stirbt langsam, unmerklich, unaufhaltsam. Und mit ihm die Einheit des Lebens. Männer mit Kettensägen werden auftreten. Die Naturwesen werden dastehen wie ein Häuflein Aufrechter, zerzaust und sich am gemeinsamen Gesang festhaltend, am gemeinsamen Beschwören ihrer Werte.
Mit Wagners «Parsifal» hat das, was Romeo Castellucci als Regisseur und Ausstatter auf die Bühne des Théâtre de la Monnaie stellt, nur über Metaebenen zu tun. Es ist die erste Opernarbeit des 51-jährigen Italieners, der 2008 mit einem Dante-Triptychon beim Festival von Avignon für Furore sorgte. Keine Deutung, nur ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Stephan Mösch
Claus Guth hat seinen Grundansatz in letzter Zeit kaum variiert. Missbrauch, Dekadenz oder mentale Instabilitäten waren Leitmotive seiner Inszenierungen. Wer da an was oder wem litt, wurde in aller Deutlichkeit vorgeführt. Nun, beim neuen «Parsifal» in Barcelona, findet sich zwar wieder das bekannte großbürgerliche Ambiente. Doch aufs bekannte Guth-Schema lässt...
Eigentlich dachten wir, die Mode, unerfahrenen Filmleuten Regieaufgaben in der Oper anzuvertrauen, sei vorbei. Zu oft waren Häusern, die auf die Zugkraft prominenter Namen gesetzt hatten, die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit auf die Füße gefallen. Kino und (Musik-)Theater, das sind eben doch zwei verschiedene Paar Schuhe. An der English National Opera indes...
Das Schicksal des «Deutschen Miserere» von Bertolt Brecht und Paul Dessau ist denkwürdig. Umso mehr, da es erst jetzt, sieben Jahrzehnte nach seiner Entstehung, auf einer Opernbühne erscheint. Das packende Stück war als Oratorium gedacht, entstand während des Zweiten Weltkriegs im US-amerikanischen Exil, wurde aber erst 1966 in der DDR konzertant aufgeführt, 1989...
