Der Magier als Maestro, der Maestro als Magier
Der Wald steht schwarz und schweiget keineswegs. Kleine Lichtschneisen durchzittern sein dichtes Laub, geben uns ein Gefühl für seine prächtigen Baumkronen. Aus dem Geäst kommen Fanfaren und Stimmen. Menschen? Naturwesen eher, bemoost am ganzen Körper oder mit Blättern überzogen. Oder doch Soldaten mit Grasbüscheln auf den Helmen? Schwer zu sehen, schwer zu sagen. Dann plötzlich ragt ein quietschgelbes Schlauchboot aus dem Gestrüpp. Aha, dieser Wald ist doch nicht gemacht, damit sich die konservativen Wagnerianer endlich einmal zurücklehnen können.
Wozu aber dann? Lautlos knicken Bäumstämme um. Das Biotop stirbt langsam, unmerklich, unaufhaltsam. Und mit ihm die Einheit des Lebens. Männer mit Kettensägen werden auftreten. Die Naturwesen werden dastehen wie ein Häuflein Aufrechter, zerzaust und sich am gemeinsamen Gesang festhaltend, am gemeinsamen Beschwören ihrer Werte.
Mit Wagners «Parsifal» hat das, was Romeo Castellucci als Regisseur und Ausstatter auf die Bühne des Théâtre de la Monnaie stellt, nur über Metaebenen zu tun. Es ist die erste Opernarbeit des 51-jährigen Italieners, der 2008 mit einem Dante-Triptychon beim Festival von Avignon für Furore sorgte. Keine Deutung, nur ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Stephan Mösch
Im Februar stand der Spielplan des Stuttgarter Opernhauses ganz im Zeichen des Balletts, das seinen 50. Geburtstag feierte. Wer dennoch Lust auf Musiktheater hatte, konnte seine Neugier, abseits der üblichen Pfade, gleich zweimal befriedigen – mit Mozarts «La finta giardiniera» in einer szenischen Produktion der Musikhochschule im kleinen Cannstatter...
Kasan, die Hauptstadt der Tatarischen Republik, ist heute eine offene, grundsätzlich zweisprachige Metropole. Die Zeiten gewalttätiger Russifizierung unter Iwan dem Schrecklichen oder interkonfessioneller Kämpfe scheinen vergessen. Die im Kasaner Kreml neu errichtete Moschee Kul-Scharif mit acht Minaretten leuchtet mit Würde, strahlt metropolitanen Luxus aus. Die...
Kein Regisseur ist schlecht beraten, den «Ring des Nibelungen» vom Ende her zu denken. Wagners gewaltige Tetralogie endet ja nicht einfach mit einer der opernüblichen, kleinen zwischenmenschlichen Katastrophen; sie stellt ganz unbescheiden die Frage nach der Zukunft einer Gesellschaft vor dem Hintergrund von deren absolutem Niedergang.
David McVicar gelangt an der...
