Der Liebe Not und Glück
Die Authentizität der Affekte ist absolut. Jedenfalls für jene utopischen Augenblicke einer gedehnten Zeit, die durch die ewigen Wandlungen der Wiederholungen in den Da capo-Arien ihre geheimnisvolle Dauer erfährt. Im Moment des Besingens von ersehnter und erfüllter, enttäuschter und verratener Liebe gibt es im Bühnenleben dieser Figuren nichts als genau dieses Gefühl. Die Charaktere sind ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Sie werten nicht, was ihnen da widerfährt, sie nehmen keine Metaebene zu sich selbst ein, sie drücken ihre Emotion ungefiltert aus.
Diese reine Affektwahrheit, der Händel seine Arienkunst schenkt, trifft stets ins Schwarze.
Wenn Pier Luigi Pizzi nun in seiner Inszenierung der ausschließlich Händels Werken gewidmeten Herbsttrilogie des Ravenna Festivals den Pfeile schießenden Amor als heimlichen (und stummen) Spielmacher einführt, dann gibt sich der Theatermann mitnichten einfallslos, sondern mit leichter Hand effektiv. Denn wer von Cupido getroffen wird, kann nicht anders, als seinem Gefühl zu folgen. Da nun aber jede und jeder in der arkadischen Pastorallandschaft des «Orlando» unschuldiges Opfer von Amors Geschoss werden kann, kommt es alsbald zu ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Peter Krause
Warum besetzt man die Rolle der Cleopatra in Händels «Giulio Cesare in Egitto» mit einem männlichen Sänger? Wir sind doch nicht in Rom des 17. Jahrhunderts, wo Frauen auf der Bühne verboten waren und ab und zu Kastraten in ihre Rollen schlüpften. Doch es fügte sich offenbar, dass mit Dennis Orellana einer der besten Sopranisten unserer Zeit zur Verfügung stand. Er...
Der Zar taumelt aus einem pechschwarzen, mannshohen Fabergé-Ei. Die reichverzierte Schale ist aufgebrochen, im Innern befindet sich der Zarenthron. Das Zentrum der Macht erscheint so prächtig wie fragil. Allein die Präsenz, mit der Alexander Tsymbalyuk in der Titelpartie der blutigen Höhle entsteigt, wie er überhaupt mit seinem gewaltigen Bass ein grandioses...
Thom Luz ist ein Zauberer. Seit 2007 macht er Theater, meist phantastische Werke, in denen man sich wie in einem feinen Gespinst gerne verheddert, in Träumen hellwach. Einige Male war Luz schon zum Berliner Theatertreffen eingeladen, viele seiner Arbeiten, so man sie sehen durfte, lagern sich in der Erinnerung in einer Sedimentschicht des Glücks ab. Dann denkt man...
