Der letzte Tag
Den Haag, 1966. Eben war Vincenzo Bellinis Romeo-und-Julia-Variante «I Capuleti e i Montecchi» an der Scala neu herausgekommen. Nun wurde die Aufführung zu einer Attraktion des Holland Festivals. Und das auch wegen der jungen und selbst Insider-Kreisen noch kaum bekannten Interpreten: Jaume Aragall als Romeo, Luciano Pavarotti als sein Rivale Tebaldo und am Pult ein juveniler Herr namens Claudio Abbado. Der hatte die Repertoire-Rarität auch bearbeitet. Die «männliche» Zentralpartie rutschte vom Mezzosopran- ins Tenorregister, gewiss Aragalls wegen.
Er war während der kurzen Konjunktur dieser Fassung dann auch so gut wie immer dabei. Das Bellini’sche Original erholte sich allerdings von dem Eingriff, auf den selbst sein Initiator nie mehr zurückgriff. Heute kommt niemand auf die Idee, es ihm nachzumachen, und schon gar nicht, wenn ein so blitzgescheiter und brillant argumentierender Regisseur wie Christof Loy das szenische Sagen hat. Im Zürcher Opernhaus-Magazin und im Programmbuch gibt er zu bedenken, dass «der» Einzige, den Giulietta an sich heranlässt, ein Mann ist, der von einer Frau verkörpert wird – ein Changieren der Geschlechter, das weit über den kompositorischen Kunstgriff ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Heinz W. Koch
Vor genau 2000 Jahren überquerte der römische Feldherr Germanicus mit vier Legionen den Rhein, um im Kampf gegen die von Arminius geführten Germanen die Katastrophe der Varusschlacht auszubügeln – für das nahe dem Schlachtort gelegene Theater Osnabrück der Anlass, Georg Philipp Telemanns Oper «Germanicus» auf den Spielplan zu setzen. Das Stück des als...
Dieser Geist durchwehte ja nicht nur Cosimas Bayreuth. Ein Eishauch, der das Werk einfrieren lässt, das doch nie nur Niederschrift ist, sondern dank sich immer weiterentwickelnde Realisierungen als Gegenwart existieren muss. Veränderungen, andere Sichtweisen – alles Teufelszeug. Wagner, Brecht, lange ließe sich die Reihe der Schöpfer und ihrer orthodoxen Gralshüter...
Alle müsste man sie zusammenspannen, diese Frauen. In einer Debattenrunde, wo sie sich austauschen könnten über ihre Männer, ihre Geliebten, Söhne oder Väter, mehr noch: über das enge, gefährliche Geflecht aus Tradition, Konvention, auch aus selbstverschuldeter Passivität. Insofern ist da eine illustre Runde bei den Münchner Opernfestspielen zusammengekommen. Und...
