Der komponierte Komponist
Viel näher am Gelingen als am Scheitern: Auf diesen Nenner kann man die Kasseler Neuinszenierung von Leos Janáceks «Schicksal» («Osud») bringen. Durch einen eigentlich ganz einfachen Trick schafft es Gabriele Rech, mit dieser ersten Neuinszenierung auf deutschen Brettern seit fünfzehn Jahren einer dramaturgischen Klärung sehr nahe zu kommen. Dass dennoch Fragen bleiben, kann man der Regisseurin nicht vorwerfen.
«Schicksal», von Janácek «Szenen aus einem Roman», «Novelle» oder «novellistische Fragmente», nie aber Oper genannt, ist in seiner Konzentration (achtzig Minuten reine Spielzeit), in seiner langen gespielten Zeit (viele Jahre), in seiner Menge an marginalen Rollen einfach nicht ganz stringent auf die Bühne zu holen.
Die Geschichte vom Komponisten, der eine Oper über einen Komponisten schreibt, der eine Oper schreibt, braucht eine Konstante. Die schafft Rech, indem sie die angelegten Bruchstücke einer Rahmenhandlung als Basis der ganzen Oper erweitert. Konkret: Im Parkett des Kuppeltheaters, das Gabriele Rech schon mit Verdis «Don Carlo» gekonnt hat bespielen lassen, steht ein großer Flügel. Von hier leitet und (er)leidet der unglückselige Komponist Zivny die Proben zu seinem ...
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Seltsam, dieses Nachleben von «La clemenza di Tito». Es blieb über mehr als zweihundert Jahre ein permanentes Hin und Her zwischen beliebt und vergessen. Dass diese Oper ausgerechnet im Mozart-Jahr 2006 von zahlreichen Bühnen wieder lebhaft in Erinnerung gebracht wird, zeugt ebenso von einem gewissen Nachholbedarf wie die Tatsache, dass der «Titus» nahezu...
Mozarts «Titus» hat Konjunktur (siehe OW 3/2006). Das hat damit zu tun, dass bei diesem Werk die Rezeption noch nicht so festgefahren ist wie bei den Da-Ponte-Opern. Das zeigte sich auch in der Münsteraner Inszenierung von Wolfgang Quetes. Bei ihm spielt die Kaiserdämmerung, zu der Mozart und sein librettistischer Mitarbeiter Mazzolà die Textvorlage von Metastasios...
In der Kunst, so schrieb Giuseppe Verdi an den die Partie des Falstaff studierenden Victor Maurel, «ist das Vorherrschen der reflektiven Tendenzen ein Zeichen von Dekadenz». Bei der Hamburger Inszenierung von «Simon Boccanegra» – verantwortet von Claus Guth und Christian Schmidt (Bühnenbild und Kostüme) – ist der Zuschauer gezwungen, lauter Regiereflexionen zu...
