Der geweitete Blick
Als im Jahr 1960 die erste Ausgabe der OPERNWELT erschien, war die erste große Auseinandersetzung der Kritik mit dem Musiktheater der Nachkriegszeit bereits Geschichte: Wieland Wagner hatte 1951 zur Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele mit seiner «Ring»-Inszenierung und vor allem mit seinem «Parsifal» die bis dahin gültigen Sehgewohnheiten des Opernpublikums gründlich aufgemischt und unter den Kritikern Stürme der Begeisterung wie der bedingungslosen Ablehnung entfacht.
Die Entrümpelung der Bühne, die Verwandlung der Sänger in Singschauspieler, die Rückbesinnung auf das Theater der Antike – all diese grundlegenden, umstürzlerischen Gedanken sollten das Musiktheater nach dem Krieg für Jahrzehnte prägen und in der kritischen Auseinandersetzung vielfach widergespiegelt werden. Wobei die OPERNWELT weitgehend für die Position «Pro-Wieland» stand und damit die aus heutiger Sicht fortschrittliche Seite der Diskus -sion vertrat. Abzulesen beispielsweise am Grundsatzartikel des damaligen Chefredakteurs Hans Otto Spingel «Das Jahr der Oper» im Jahrbuch 1966, in dem er Wieland Wagner zu den Regisseuren zählt, die «bei aller Distanz, die man im Detail zu ihnen wahren mag, insgesamt ...
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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: 65 Jahre Opernwelt, Seite 138
von Gerhart Asche
Man kommt schwer an ihm vorbei – selbst wenn man es will. Die Popularität von Johann Strauß (Sohn) ist auch 200 Jahre nach seiner Geburt gewaltig. Den so einfachen, aufsteigenden, in breitem Rubato zu spielenden D-Dur-Dreiklang seines berühmtesten Walzers «An der schönen blauen Donau» kennen vermutlich auch jene, die ihn nicht direkt einem Komponisten zuordnen...
Das sind Bilder und Töne, die im Gedächtnis bleiben: Wie der Chor der Komischen Oper Berlin in Philip Glass’ «Aknathen» die Macht des ägyptischen Volkes verkörpert, das gegen die Willkür seines Herrschers Echnaton zurückschlägt. Bedrohlich sind die Klänge, die sich in den rhythmischen und motivischen Wiederholungen von Glass’ Musik immer weiter aufschaukeln, immer...
Virginia Woolf, diese zartbesaitete, genialische, der Welt mit erstauntem Befremden gegenüberstehende Schriftstellerin, war sichtlich irritiert, als sie, es ist der Februar 1930, Besuch von einer alten Dame erhält, die unbedingt ihre Bekanntschaft machen wollte. «Gerade hatte ich mich hingelegt, da hörte ich ein kraftvolles Stapfen die Treppe hinauf, und siehe da,...
