Jenseits des Dogmas
Immer wieder stellt sich die Frage, wann und wo man am liebsten gelebt hätte. Die klassische «Rückwärts-Utopie» ist die Folge: natürlich in der Vergangenheit – im alten Athen oder antiken Rom, im heilen Mittelalter, im prächtigen Rokoko oder in der heimeligen Romantik. Geschichte verheißt Schutz vor den Krisen der Gegenwart. Schon in die jüngere Vergangenheit zieht es die wenigsten.
Dabei würde selbst die Nachkriegszeit genügend Anlass zum freudigen Eintauchen in die Musik geben, zumal in die damals neue, von totalitären Regimes gering geschätzte, wenn nicht bekämpfte Musik: Komponisten wie Messiaen, Varèse, die Darmstädter Avantgarde, Boulez, Nono, Stockhausen belebten die Szene, aus Amerika kam die Musik von Ives und Cage, die Fluxus-Bewegung, aus Polen zudem neues Kino und Theater. Die zentrale Lage des «Wirtschaftswunderlandes» BRD förderte vor Ort die Internationalität. Darmstadt und Donaueschingen, die Kasseler «Documenta» wurden zu Zentren der ästhetischen Moderne. Ligeti wie Kagel zog es nach Köln, wo der großmächtige WDR zur Zentrale des Fortschritts wurde. Dass die Staaten des «real existierenden Sozialismus», dass auch die außereuropäischen Kulturen eine geringere Rolle ...
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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Luciano Berio und Cathy Berberian, Seite 90
von Gerhard R. Koch
Als im Jahr 1960 die erste Ausgabe der OPERNWELT erschien, war die erste große Auseinandersetzung der Kritik mit dem Musiktheater der Nachkriegszeit bereits Geschichte: Wieland Wagner hatte 1951 zur Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele mit seiner «Ring»-Inszenierung und vor allem mit seinem «Parsifal» die bis dahin gültigen Sehgewohnheiten des Opernpublikums...
Virginia Woolf, diese zartbesaitete, genialische, der Welt mit erstauntem Befremden gegenüberstehende Schriftstellerin, war sichtlich irritiert, als sie, es ist der Februar 1930, Besuch von einer alten Dame erhält, die unbedingt ihre Bekanntschaft machen wollte. «Gerade hatte ich mich hingelegt, da hörte ich ein kraftvolles Stapfen die Treppe hinauf, und siehe da,...
Herr Volkov, wenn Sie auf der Bühne stehen, wirkt es, als wären Sie dort geboren. Erzählen Sie, wie alles begann. Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Ich wurde in einer kleinen Stadt in der Ostukraine geboren. Schon als Kind spürte ich, dass nur die Musik mein Interessengebiet ist. Irgendwann zogen wir nach Donezk – eine größere Stadt, in der ich ernsthaft...
