Jenseits des Dogmas
Immer wieder stellt sich die Frage, wann und wo man am liebsten gelebt hätte. Die klassische «Rückwärts-Utopie» ist die Folge: natürlich in der Vergangenheit – im alten Athen oder antiken Rom, im heilen Mittelalter, im prächtigen Rokoko oder in der heimeligen Romantik. Geschichte verheißt Schutz vor den Krisen der Gegenwart. Schon in die jüngere Vergangenheit zieht es die wenigsten.
Dabei würde selbst die Nachkriegszeit genügend Anlass zum freudigen Eintauchen in die Musik geben, zumal in die damals neue, von totalitären Regimes gering geschätzte, wenn nicht bekämpfte Musik: Komponisten wie Messiaen, Varèse, die Darmstädter Avantgarde, Boulez, Nono, Stockhausen belebten die Szene, aus Amerika kam die Musik von Ives und Cage, die Fluxus-Bewegung, aus Polen zudem neues Kino und Theater. Die zentrale Lage des «Wirtschaftswunderlandes» BRD förderte vor Ort die Internationalität. Darmstadt und Donaueschingen, die Kasseler «Documenta» wurden zu Zentren der ästhetischen Moderne. Ligeti wie Kagel zog es nach Köln, wo der großmächtige WDR zur Zentrale des Fortschritts wurde. Dass die Staaten des «real existierenden Sozialismus», dass auch die außereuropäischen Kulturen eine geringere Rolle ...
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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Luciano Berio und Cathy Berberian, Seite 90
von Gerhard R. Koch
Das sind Bilder und Töne, die im Gedächtnis bleiben: Wie der Chor der Komischen Oper Berlin in Philip Glass’ «Aknathen» die Macht des ägyptischen Volkes verkörpert, das gegen die Willkür seines Herrschers Echnaton zurückschlägt. Bedrohlich sind die Klänge, die sich in den rhythmischen und motivischen Wiederholungen von Glass’ Musik immer weiter aufschaukeln, immer...
Schizophrenie gehört bei ihm zur Karriere. Ab diesem Herbst sitzt Tobias Kratzer an beiden Seiten des Tisches zugleich, als interpretierender Künstler und als jener, der das alles bezahlt: als Herr über die Hamburgische Staatsoper. Eine Persönlichkeitsspaltung der anderen Art hat er schon hinter sich, 2008 war das. Beim Ring Award in Graz trat der gebürtige...
Frau Silja, Sie haben im April Ihren 85. Geburtstag gefeiert. Sind sie eine lebende Legende?
Nein, als solche empfinde ich mich keineswegs. Und lebende Legenden gibt es ohnehin nicht, nur mausetote.
Was sind Sie dann?
Ich bin einfach nur eine Sängerin mit langjährigen Erfahrungen.
Das klingt sehr bescheiden ...
Ich halte mich diesbezüglich an den im April...
