Der Fall Ikarus
Der schädigende Zwischenruf kommt aus dem recht schütter besetzten Block H. «Mikro, Rolando», schallt eine energische Frauenstimme quer durch die Berliner Philharmonie. Und leider bleibt sie nicht einsam, diese Stimme. Mehrere Besucher, die neben ihr sitzen, schließen sich der verbalen Protestresolution an und sorgen damit für einen etwas zu langen Augenblick jenes Schreckens, den man keinem Sänger wünscht. Doch da muss er jetzt durch, der Rolando, wie sie ihn, allzu kumpelhaft, nennen, weil er immer so nett ist: hindurch durch die manchmal widerborstige Waschanlage Wirklichkeit.
Rolando Villazón versucht es mit Charme. Was soll er auch sonst tun? Das Mikrofon steht ja direkt neben ihm. Aber eigentlich wollte er von dort aus nur die beschwingten (und den Auftritt künstlich verlängernden) Ansagen zwischen den Stücken machen, die er gemeinsam mit den «Bolívar Soloists» an diesem Abend präsentiert. Bis zu 130 Euro haben die Leute hingeblättert, um das zu hören, was schon auf der CD mit dem Titel «!México!» erschütternd medioker anmutet: Lieder aus Mexiko, über Mexiko, Lieder vom Leben dort, von der Liebe und, natürlich, vom Leiden und der Leidenschaft.
Das Mikrofon bleibt da, wo es ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Jürgen Otten
Pech für den Intendanten und Regisseur. Obwohl er mit einem Mikrofon ausgestattet den Vorhang teilt – wir verstehen kein Wort von ihm. Die Vertreter des Publikums, die «Tragischen» und die «Komischen», die «Lyrischen» und die «Hohlköpfe», die ihn aus den Proszeniumslogen chorisch bedrängen, übertönen den Hausherrn locker. Doch keine Bange, Marc Adam verschafft sich...
Herr Goerne, Ihr neues Schubert-Album hat den Titel «Nacht und Träume». Wovon träumen Sie?
Ich träume nur sehr selten. Und nie von Musik – weder im Positiven noch als Stresssituation.
Schubert war ja eigentlich ein Tagmensch und hat am liebsten morgens komponiert. Was bedeutet in seinen Liedern die Nacht?
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal bezeichnet sie die...
Diesem Mann ist nicht zu trauen: Barett kommt als Butler in Tonys Haushalt. Zunächst gibt er ganz den Diener, doch nach und nach wirft er die servile Haltung ab, verführt seinen Herrn, entreißt ihn den Händen seiner Freundin (Sally Grant) und bekommt ihn schließlich – ins Bett. Wenn Alexey Bogdanchikov als Barett seinen breiten Bariton einsetzt, unterwürfig auf den...
