Der Duft von Flieder
Die Wege zur Liebe sind, wie die Wege der Liebe selbst, häufig verschlungen. Auch bei Jean Anouilh, den wir vor allem als «Übersetzer» des antiken Antigone-Stoffes kennen. Sein Poem «Les Chemins de l’amour» beweist, wie gewandt der Dramatiker auf diesem Gebiet war, und so verwundert es wenig, dass Francis Poulenc die Verse zu einer Mélodie für Gesang und Klavier vertonte.
Eine charmant-leichthändige, nach Flieder duftende Schwärmerei im Dreivierteltakt, deren musikalische Vorlage ein Walzer bildet – was wiederum den Dirigenten Frédéric Chaslin anregte, sie für Orchester zu setzen.
Chaslin beherrscht dieses Handwerk; die «Transformation», vom Orchestra del Teatro La Fenice di Venezia unter seiner Leitung nuancenreich interpretiert, atmet den (freien) Geist des Originals. Auch Julie Cherrier-Hoffmann ist die richtige Interpretin für diese Art von Musik. Ihr kachelofenwarm timbrierter Sopran flattert wie ein Schmetterling durch die imaginäre Luft; er besitzt Farben, Schattierungen und das gewisse Etwas, um diese geistreich-unterhaltsame Musik zum Schweben zu bringen. Nur ist Cherrier-Hoffmann auch die geeignete Interpretin für Poulencs magischdunkle Mono-Oper «La Voix humaine»? Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Virginie Germstein
György Ligetis «Le Grand Macabre» ist der seltene und zudem höchst erfolgreiche Fall einer Buffa aus der Feder eines Avantgardisten. Die 1978 in Stockholm uraufgeführte musikalische Groteske vom Weltuntergang mit ihrem handfest-derben Libretto und den marionettenhaft überzeichneten Figuren wurde selbst an mittleren und kleinen Häusern gespielt – meist als Grand...
Sarah Aristidou gehört zur wachsenden Zahl junger Sängerinnen und Sänger, die sich nicht damit zufriedengeben, auf ihren CD-Projekten einfach einen Lieder- oder Arienabend akustisch zu speichern, sondern die Chance des Mediums ergreifen, die traditionellen Programmstrukturen zu überschreiten. Jetzt legt sie mit «Enigma» ein Album vor, das die Rätsel des Lebens...
Nono klagt an, und seine Sprache ist Feuer.» Das schreibt 1963 der Komponist Karl Amadeus Hartmann über den 39 Jahre alten, künstlerisch und auch persönlich sperrigen Venezianer Luigi Nono. Im konservativen Westdeutschland der Adenauerzeit eckt der bekennende Kommunist Nono mit seiner künstlerischen Aufarbeitung der faschistischen Gewaltherrschaft und seinem...
