Der Duft von Flieder

Julie Cherrier-Hoffmann interpretiert «La Voix humaine» und für Orchester gesetzte Lieder von Francis Poulenc

Opernwelt - Logo

Die Wege zur Liebe sind, wie die Wege der Liebe selbst, häufig verschlungen. Auch bei Jean Anouilh, den wir vor allem als «Übersetzer» des antiken Antigone-Stoffes kennen. Sein Poem «Les Chemins de l’amour» beweist, wie gewandt der Dramatiker auf diesem Gebiet war, und so verwundert es wenig, dass Francis Poulenc die Verse zu einer Mélodie für Gesang und Klavier vertonte.

Eine charmant-leichthändige, nach Flieder duftende Schwärmerei im Dreivierteltakt, deren musikalische Vorlage ein Walzer bildet – was wiederum den Dirigenten Frédéric Chaslin anregte, sie für Orchester zu setzen.

Chaslin beherrscht dieses Handwerk; die «Transformation», vom Orchestra del Teatro La Fenice di Venezia unter seiner Leitung nuancenreich interpretiert, atmet den (freien) Geist des Originals. Auch Julie Cherrier-Hoffmann ist die richtige Interpretin für diese Art von Musik. Ihr kachelofenwarm timbrierter Sopran flattert wie ein Schmetterling durch die imaginäre Luft; er besitzt Farben, Schattierungen und das gewisse Etwas, um diese geistreich-unterhaltsame Musik zum Schweben zu bringen. Nur ist Cherrier-Hoffmann auch die geeignete Interpretin für Poulencs magischdunkle Mono-Oper «La Voix humaine»? Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Virginie Germstein

Weitere Beiträge
Hallelujah!

Lange wurde Georg Friedrich Händel verwöhnt von den Erfolgen, die ihm seine Wahlheimat London bescherte. Der wuchtige Hallenser, seit 1727 britischer Staatsbürger, hatte das Opernleben auf der Insel dominiert. Seine Royal Academy of Music sorgte durch den Starsänger Senesino sowie zwei konkurrierende Primadonnen für Furore – Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni...

Endlich frei

Mariettas Kleid in sonnig strahlendem Orange (bunte, auch romantisch blaue Blumen sind darauf gedruckt) erzählt ausdrücklich von der hellen Seite des Lebens. Und doch gleicht es aufs Haar dem Gewand einer Toten: ihrer «Vorgängerin», Pauls verstorbener Frau Marie, die (in Gestalt der jungen Tänzerin Natalie Kien) in jenem betongrau gruftig-düsteren Verlies haust,...

Ausflüge in eine andere Welt

Herr Köhler, ein Kritikerkollege aus dem Schauspiel hat Sie einmal einen «Theatermacher essenzieller Zeichen» genannt. Haben Sie eine Ahnung, was er damit sagen wollte?
Es ist immer schwer, so etwas selbst einzuschätzen. Aber in meiner Auseinandersetzung mit den Stücken geht es nie um Zeichen – es beginnt immer mit dem Konzept. Sowohl im Schauspiel als auch in der...