Der andere Impressionismus

Alain Altinoglu und Dmitri Tcherniakov durchleuchten Debussys «Pelléas et Mélisande» in Zürich mit psychoanalytischem Scharfblick

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Keiner brachte sich so kompromisslos gegen das sogenannte «Regietheater» in Stellung wie Peter Stein. Als er in den frühen Neunzigerjahren Debussys «Pelléas et Mélisande» herausbrachte (er tat das in der Abgeschiedenheit der Welsh National Opera von Cardiff, aber doch zusammen mit Pierre Boulez am Dirigentenpult), setzte er auf eine Lesart, welche die Bühnenanweisungen beim Wort nahm.

Der Turm war der Turm, Mélisande trug ihre blonden Haare so lang, dass sie tatsächlich auf Pelléas herniederfallen konnten, und die Tauben, die aus dem Gemäuer emporfliegen, waren Tauben, richtige Tauben. Klassizistisch wirkte das, ein wenig leblos vielleicht, in seiner Gerad­linigkeit aber durchaus eindrucksvoll.

Genau das Gegenteil davon ist im Opernhaus Zürich zu erleben: in einer konzis durchdachten und fabelhaft ausgearbeiteten Produktion von Claude Debussys Oper, die sich radikal von der originalen Einkleidung der Geschichte verabschiedet, das Thema des Stücks vielmehr in ganz eigener Weise aufbereitet. In der Sicht des Regisseurs und Bühnenbildners Dmitri Tcherniakov erscheint das Schloss Allemonde als eine moderne Villa, durch deren Fenster jener dichte Wald sichtbar wird, von dem an ...

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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Peter Hagmann

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