Denken in Tönen
Der Titel der letzten Essaysammlung bringt Hans Zenders philosophisches Credo auf den Punkt: «Mehrstimmiges Denken» (Verlag Karl Alber). Musik war für diesen Anwalt einer Moderne, die Fortschritt in der kreativen Auseinandersetzung mit dem Überlieferten sucht, ein offenes Medium, das gleichermaßen Geist und Sinne, Reflexion und Erfahrung, Analyse und Intuition fordert.
Der romantische Geniekult, die durch das Starsystem beförderte Überhöhung des reproduzierenden Subjekts war ihm ebenso suspekt wie eine historistische Aufführungspraxis, die Relevanz und Mehrwert der Werke für die Gegenwart ausblendet.
Einer breiteren Öffentlichkeit war Zender vor allem als Dirigent bekannt. 1936 in Wiesbaden geboren, erlebte schon der Jugendliche in Proben und Konzerten Carl Schuricht, Karl Böhm, Günter Wand und Wilhelm Furtwängler. Seit 1949 besuchte er die Darmstädter Ferienkurse, wo er nicht nur die Techniken der Zweiten Wiener Schule und des frühen Serialismus, sondern auch die modale Kompositionsweise Olivier Messiaens und die aleatorisch-performative Entgrenzung des Musikbegriffs durch John Cage kennenlernte. Die Klavierschule bei Edith Picht-Axenfeld und das Tonsatzstudium bei Wolfgang ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Albrecht Thiemann
Vorbei die Zeiten, als das Publikum in die Oper strömte, weil der Besuch bei Mozart, Verdi, Wagner & Co. zum guten Ton des gesellschaftlichen Lebens gehörte. Die Stammkundschaft ist überaltert, der Nachwuchs macht sich rar. Was tun? Um diese Frage ging es in der dritten Runde der «Opernwelt-Dialoge» an der Oper Dortmund. Auf dem Podium (v. l.): Holger Noltze,...
Man fühlt sich in den pastoralen Chor- und Chanson-Sätzen an die schöne Schlichtheit Glucks, in den Arien an die Seelentiefe und den Buffo-Geist Mozarts erinnert. Man genießt die tänzerische Champagnerspritzigkeit und die effektpralle Kontrastdynamik der französischen Barockoper, dazu die tollen Terzette, die lustvolle Lautmalerei. Und doch kommt uns kaum eine Note...
Das Elend dieses ganz und gar missglückten Opernabends zeigt sich ausgerechnet in seinem schönsten Moment. Da schleicht ein Plüschpuma auf die Bühne, mächtig wie ein Elefant, wild wirft er den Kopf, reißt das Maul auf und wackelt mit dem Schwanz. Warum bekommt das Vieh eigentlich keinen Szenenapplaus? Das Team der Theaterplastik hat sich selbst übertroffen, aber...
