Das war der Anfang
Vor einigen Jahren erfüllte sich Ronald Stanton einen außergewöhnlichen Wunsch. 1987, mehr als zwanzig Jahre zuvor, hatte der New Yorker Geschäftsmann einen Opernabend erlebt, der sein Leben veränderte: die Aufführung von Jean-Baptiste Lullys Oper «Atys», mit der Frankreich damals den 300. Todestag des Komponisten würdigte. Nun, mit über 80, wollte Stanton diesen Abend noch einmal erleben und erklärte sich bereit, alle Kosten einer Wiederaufnahme der Produktion zu übernehmen.
Das Projekt kam tatsächlich 2011 in der Opéra Comique zustande, und tatsächlich hat die Opernwelt allen Grund, Mr. Stanton dankbar zu sein.
Denn obwohl schon 1987 schlagartig klar wurde, dass die Produktion von William Christie und dem französischen Theatermann Jean-Marie Villégier ein Meilenstein in der Geschichte der Barockoper sein würde, wurde die Gelegenheit verpasst, die Aufführung im Film festzuhalten. Zwar entstand eine Gesamtaufnahme, die immer noch auf CD erhältlich ist (Harmonia Mundi), doch ähnlich wie bei der Wernicke/Jacobs-Produktion von Cavallis «La Calisto» (die übrigens auch erst zehn Jahre nach ihrer Premiere auf DVD veröffentlicht wurde), ging es bei «Atys» nicht nur um die Wiederentdeckung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 22
von Jörg Königsdorf
Herr Kwiecien, niemand hat Don Giovanni in den letzten Jahren an so vielen Opernhäusern gesungen wie Sie. Wissen Sie, wie oft?
Annähernd hundertmal, in rund zwanzig verschiedenen Produktionen. Will sagen: Der Don Giovanni ist nichts Neues mehr für mich.
Das klingt nach Routine.
Nun ja, wenn ich diese Partie in Paris, Bilbao oder München singe, mache ich zunächst mal...
Ginge es bei der Verteilung von Nachruhm gerecht zu, müsste Francesco Cavalli seinen Ehrentitel zur Hälfte einem anderen abtreten: Denn die Bezeichnung eines «Shakespeare der Opernbühne» beweist eigentlich schon per se, dass die Stellung des 1602 geborenen Venezianers als bedeutendster italienischer Opernkomponist zwischen Monteverdi und Alessandro Scarlatti nicht...
Er kann es. Auf der Bühne ist Mariusz Kwiecien ganz bei sich. Als ob das Spiel, die Entäußerung coram publico eine Kraft sei, die den Körper inspiriert, die Stimme elektrisiert und unter Spannung hält. Ihr den letzten Kick gibt, den siebten Sinn für die innere Wahrheit einer Rolle oder Figur. Egal ob Kwiecien (immer wieder) das Geheimnis von Mozarts dissoluto...
