«Das Theater soll den Menschen dienen»

Eine Art triumphale Heimkehr: Kurze Zeit war Nadezhda Karyazina am Salzburger Landestheater engagiert, in diesem Jahr räumte sie bei zwei Festspiel-Produktionen ab. Wer die gebürtige Russin nicht kannte, dem gingen in «Chowanschtschina» und «Hotel Metamorphosis» Augen und Ohren über. Ein Gespräch über Kämpfe mit Cecilia Bartoli, tiefe Barocktöne und das Theater als Tempel

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Sie singen und spielen im «Hotel Metamorphosis», dem Vivaldi-Pasticcio der Salzburger Festspiele, mit großem Aplomb Juno und Minerva. Macht es Spaß, Diva zu sein?
Natürlich! Ich fand es aber anfangs ungewöhnlich, so dominant zu sein. In einer Szene muss ich mit Cecilia Bartoli quasi singend kämpfen. Ich liebe und verehre sie, sie ist meine große Inspiration. Ich lernte Cecilia in Zürich kennen, als sie «L’italiana in Algeri» sang und ich ihr Cover war. Ich übernahm zwei der sieben Vorstellungen.

Sie war sehr nett, hat mich zu sich nach Hause eingeladen, gab mir kleine Tipps. Und nun durfte ich ihr plötzlich auf der Bühne ebenbürtig sein. Daran musste ich mich gewöhnen. Aber sie ist unglaublich kollegial. Es war ohnehin eine Herausforderung. Ich bin erst zwei Wochen nach Probenstart eingesprungen. Ich bekam die Anfrage, bat um die Noten und meinte zunächst: Ich habe zu wenig Zeit, es zu lernen. Daraufhin rief Regisseur Barrie Kosky an und redete lange mit mir. Eigentlich so, als ob ich schon längst zugesagt hätte. Es ist unmöglich, zu einem Regisseur wie Barrie nein zu sagen. Man kann sich ihm eben nicht entziehen. Die Festspiele waren so nett und haben mir einen phantastischen ...

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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Interview, Seite 70
von Markus Thiel

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