Das Monster Mensch
Der Mann war ein Unhold. Ihm mit Kunst zu «begegnen», darf als Wagnis gelten – welches aber, obschon auf verschiedenste Weise, gelingen kann. Bei den Filmfestspielen in Cannes kam Mitte Mai ein Film heraus, der vom «Verschwinden des Josef Mengele» erzählt – zunächst von dessen Flucht nach Südamerika, dem geheimen Besuch der BRD, von seiner Hochzeit in Argentinien, der zunehmenden Paranoia.
Der regieführende Vieleskönner Kirill Serebrennikov nimmt dabei auch Mengeles menschenverachtend-sadistisches «Wirken» als Arzt des KZ Auschwitz in den Blick, wechselt aber, um die Drastik zu erhöhen, von der scharfgeschnittenen Schwarzweißtechnik zu Bildern in satten Farben, gedreht aus der Perspektive eines Soldaten, der die Resultate von Mengeles «Forschung» festhält. Eines von dessen liebsten Spielchen war es, Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen aus den ankommenden Zügen auszusortieren. Wenn jetzt in der Volksbühne Berlin die kleinwüchsige Schauspielerin Saioa Alvarez Ruiz eine Hakenkreuz-Armbinde anlegt und in die Rolle Mengeles schlüpft, um im Brustton der Selbstgewissheit von dessen maßstabsetzenden Experimenten mit «Behinderten» zu berichten, dann ist das an Perfidie ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Jürgen Otten
Der Mensch, so hat es, sehr spitzfindig und süffisant, einmal T. S. Eliot formuliert, ist nicht imstande, viel Realität zu ertragen. Was häufiger, als man gemeinhin denken sollte, zur Folge hat, dass dieser Mensch dann in eine Traumwelt entflieht, dorthin, wo er zumindest das Gefühl, eine Ahnung von Freiheit hat, auch wenn dies nur eine Fata Morgana ist, die ihm...
Anders als Antonio Salieri mit seinem «Cublai, gran kan de’ Tartari» konnte Mozart schon zu Lebzeiten mit der «Zauberflöte» reüssieren – vor allem aber sein Mitstreiter Emanuel Schikaneder, der sich mit den Einspielergebnissen ein neues Theater baute – das «Theater an der Wien». Dass ihm dabei ein Kaufmann mit dem wie von Nestroy erfundenen Familiennamen Zitterbart...
Zwei Stunden fährt man von der bulgarischen Hauptstadt Sofia durch saftig-grünes Hügelland Richtung Nordosten bis fast an die rumänische Grenze, dann ist man in Pleven. Hier wurde 1941 Gena Dimitrova geboren, deren Karriere nach einem Debüt als Abigaille in Verdis «Aida» an der bulgarischen Nationaloper – gerade mal 26 Jahre war sie da – schnell Fahrt aufnahm. Sie...
