Das klinget so herrlich
Vor einem Jahr war eben mein Buch über die digitale Revolution und über die Chancen und Risiken für die Kunst im Internet erschienen («World Wide Wunderkammer», Edition Körber). Vorschlag: das Internet nicht dem Unsinnigen und Hassenswerten zu überlassen, sondern es zu nutzen zur Ermöglichung ästhetischer Erfahrung, auch des Musiktheaters, und vielleicht einfallsreicher als bisher.
Dann kam der Lockdown, es begann das Streaming ohne Ende, manchmal auch ohne Sinn und Verstand, und ich musste gefühlt hundert Mal die Frage beantworten, ob das digitale Abbild denn nun das analoge Original ersetzen solle. Natürlich nicht! Tausend oder mehr Menschen im Saal, während hundert oder mehr da vorne Kunst machen: Man sollte das als eine zivilisatorische Errungenschaft hochschätzen. Aber denen, die nicht dabei waren, einen Eindruck zu vermitteln, was da war; oder noch einmal zurückschauen zu können, den Vergleich zu ermöglichen; oder auch: die filmische Umsetzung selbst als Kunst zu erkennen – das sind doch ein paar gute Gründe für Streaming (mit Sinn und Verstand).
Ich habe im letzten Jahr manches Schöne auch auf dem Sofa zu Hause gesehen, das «analog» so nicht möglich gewesen wäre; ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 118
von Holger Noltze (Köln)
Wien, im Jahre 1936. An seinem 50. Geburtstag erhält Sektionschef Leonidas einen Brief. Geschrieben hat ihn Vera Wormser, seine ehemalige Geliebte, die ihn darin um Hilfe bittet. Vera ist Jüdin, ihr Sohn in Gefahr, Leonidas einflussreich genug, damit Schlimmeres verhindert werden kann. Franz Werfels 1941 publizierte Erzählung «Eine blassblaue Frauenschrift» ist...
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