Das klinget so herrlich
Vor einem Jahr war eben mein Buch über die digitale Revolution und über die Chancen und Risiken für die Kunst im Internet erschienen («World Wide Wunderkammer», Edition Körber). Vorschlag: das Internet nicht dem Unsinnigen und Hassenswerten zu überlassen, sondern es zu nutzen zur Ermöglichung ästhetischer Erfahrung, auch des Musiktheaters, und vielleicht einfallsreicher als bisher.
Dann kam der Lockdown, es begann das Streaming ohne Ende, manchmal auch ohne Sinn und Verstand, und ich musste gefühlt hundert Mal die Frage beantworten, ob das digitale Abbild denn nun das analoge Original ersetzen solle. Natürlich nicht! Tausend oder mehr Menschen im Saal, während hundert oder mehr da vorne Kunst machen: Man sollte das als eine zivilisatorische Errungenschaft hochschätzen. Aber denen, die nicht dabei waren, einen Eindruck zu vermitteln, was da war; oder noch einmal zurückschauen zu können, den Vergleich zu ermöglichen; oder auch: die filmische Umsetzung selbst als Kunst zu erkennen – das sind doch ein paar gute Gründe für Streaming (mit Sinn und Verstand).
Ich habe im letzten Jahr manches Schöne auch auf dem Sofa zu Hause gesehen, das «analog» so nicht möglich gewesen wäre; ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 118
von Holger Noltze (Köln)
Wie es war, ist es nicht mehr. Die Corona-Pandemie, der größte gesellschaftliche Einbruch seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, hat naturgemäß auch die Theater- und Musikszene radikal verändert. Die Frage nach der Kunst wird zur Frage nach dem Leben. Seit dem März 2020 schlagen sich die Institutionen, aber auch jeder Einzelne mit den Antworten herum. Ob digitale...
Die Schweiz sieht sich gern als eine Insel der Glückseligen. In vielerlei Hinsicht mag dies selbst in unseren krisenhaften Zeiten berechtigt sein; freilich ist auch das überreiche Kulturleben der Eidgenossenschaft seit anderthalb Jahren bloß noch ein Schatten seiner selbst. Seit die Schweizer Regierung, der Bundesrat, Mitte März 2020 im Zuge einer Notstandsregelung...
Hat alles nichts gebracht: die echten Flüchtlinge auf der Bühne; die Kinder aus Afrika, die Armut beglaubigen sollten, obwohl sie aus einer intakten, gar nicht so armen Familie kamen; die Nutten, Nutten und abermals Nutten, die der alten, elitären Oper mehr street credibility verschaffen sollten. Völlig nutzlos! Von der Relevanz, die mit diesen «Einfällen» des...
