Das Glück ist anderswo
Es ist nicht überliefert, ob Emilia Marty, diese durch und durch erstaunliche Frau, eine eifrige Leserin der Schriften von Søren Kierkegaard war. Genügend Gründe, sich zumindest in eines seiner Traktate zu vertiefen («Die Wiederholung» von 1843), hätte die gute Emilia jedoch auf jeden Fall gehabt. Denn dortselbst findet sich ein Satz, der ziemlich genau beschreibt, worin das essenzielle Problem ihrer Existenz zu suchen wäre: «Wiederholung und Erinnerung sind die gleiche Bewegung, nur in entgegengesetzter Richtung.
» Warum? Ganz logisch: Dasjenige, woran man sich erinnere, sei gewesen und werde rückwärts wiederholt, während die eigentliche Wiederholung eine Erinnerung «in vorwärtiger Richtung» sei. Deswegen, so des Philosophen ebenso traurige wie richtige Schlussfolgerung, «macht die Wiederholung, wenn sie möglich ist, einen Menschen glücklich, während die Erinnerung ihn unglücklich macht».
Dass dem so ist, dass Emilia Marty weit mehr der (wenig tröstlichen) Erinnerung anhängt, als die Wiederholung zu suchen, hören wir bereits vor dem ersten Ton. Also lange bevor sie durch dicke Nebelschweden hindurch jene sterile Zeitkapsel, die Étienne Pluss als Innenraum auf die Bühne gebaut hat ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
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