Das Besondere sein
Herr Konold, Sie sind seit diesem Jahr als Nachfolger von Wolfgang Gönnenwein künstlerischer Leiter der Ludwigsburger Festspiele und gleichzeitig Intendant des Staatstheaters Nürnberg. Was hat Sie an dieser Aufgabe und an dieser Doppelrolle gereizt?
Zwei Dinge. Zum einen: Ich vergleiche ein Staatstheater mit fünfhundert Mitarbeitern immer mit einem Supertanker. Sie stehen auf der Brücke und sagen: «Jetzt will ich nach rechts» , dann sagt der Rudergänger «scharf rechts», und das Boot fährt trotzdem noch einen Kilometer weiter geradeaus, bevor es reagiert.
Man kann viel und Interessantes bewegen mit einem solchen Apparat, aber die Trägheit ist ein wenig höher, während Festspiele aus meiner Sicht das Schnellboot sind. Man kann spontaner damit umgehen, und man hat natürlich, gemessen an einem Theater, sehr viel mehr freie Mittel für Kunst. Ich habe in Ludwigsburg inklusive Logistikkosten gut zwei Drittel meines Etats für die künstlerischen Projekte, in Nürnberg sind es – Milchmädchenrechnung insofern, als ich Orchester, Chor, Sänger, Schauspieler und Tänzer ganzjährig bezahle und entsprechend einsetzen kann – ungefähr fünf Prozent. Auf der anderen Seite muss ich in Ludwigsburg jeden ...
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Historische «Anfänge» sind immer heikel. Nachdem Wolfram Steude 1991 einen Brief Heinrich Schütz’ vorweisen konnte, der zweifelsfrei belegt, dass dessen von Friedrich dem Großen vorsätzlich vernichtete «Dafne» (1627), «die erste deutsche Oper», überhaupt keine Oper war und weil Sigmund Stadens «Seelewig» (1644), die «erste erhaltene deutsche Oper» (siehe OW...
Im Foyer des Theaters an der Wien gleich neben dem Kartenbüro ist jenes Zimmer eingerichtet, in dem Beethoven wohnte, als er für den Direktor Schikaneder dessen Drama «Vestas Feuer» in Musik zu setzen suchte, und später, als er unter Schikaneders Nachfolger Zitterbarth am «Fidelio» für die Uraufführung des Werks im Jahre 1805 arbeitete.
Zweihundert Jahre danach bot...
Musikalisch würde Münsters neuer «Otello» jedem größeren Theater zur Ehre gereichen. Lance Ryan überzeugte bei seinem Deutschland-Debüt mit schlanker, hell timbrierter Stimme, die auch in den gefürchteten exponierten Höhen der Titelpartie über die nötige heldische Durchschlagskraft verfügt. Nur die Deklamatopassagen – etwa beim physischen Zusammenbruch Otellos im...
