Das Abstrakte wird konkret
Die Liebe verleiht nicht immer Flügel. Eine einzige Feder, am Ende gerötet, schwebt über dem Dichter, der, über einen Tisch gebeugt, um Worte ringt. Und auch später spickt er damit entweder sein Alter Ego oder den Bühnenboden, statt schrittweise den eigenen Sehnsüchten zu folgen. Nicht umsonst zeigt ihn Daniela Kurz am Landestheater Linz von Anfang an in zwiefacher Gestalt: als Troubadour und Prinz von Blaye, der Jaufré Rudel ja in Wirklichkeit ist, zugleich als ein poetisches Ich, das seinen Gefühlen Gestalt gibt und zunächst eher ziellos einer «Liebe von Ferne» huldigt.
«L’Amour de loin» nennt Kaija Saariaho ihre erste, überaus erfolgreiche Oper, die vor 15 Jahren nach einer Vorlage von Amin Maalouf im Auftrag der Salzburger Festspiele entstand: ein komplexes Klangkonstrukt, das sich ganz auf das Innenleben der drei Protagonisten konzentriert, selbst wenn die Regisseurin die äußere Handlung durchaus bildhaft gestaltet. Noch während des Vorspiels öffnet sich der Vorhang im Musiktheater ein Stück, und aus der Höhe steigt der Pilger, der im weiteren Verlauf immer wieder alle Gegensätze überbrückt. Ein roter Bogen lässt zeichenhaft das Erreichbare erkennen, die weißen Schrägen, welche ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Hartmut Regitz
Nichts gegen Kontinuität! Als Cathérine Miville vor 13 Jahren von dem nach Erfurt wechselnden Guy Montavon die Gießener Intendantenstaffel übernahm, wurde das kleine Haus in Mittelhessen kaum einmal überregional wahrgenommen. Das hat sich allmählich, aber auffällig und in der Summe heftig geändert. Nun gibt es, vor allem in der Oper, eine Fülle von Produktionen,...
Herr Shicoff, Sie galten als idealer Sänger für gebrochene, auch intellektuelle Charaktere. Hat Ihnen das gefallen?
Dem habe ich nie getraut. Ich wollte nie bewusst den Eindruck erwecken, ein intellektueller Sänger zu sein. Emotionale Sänger schätze ich eigentlich weit höher. Ich glaube, wann immer ich Erfolg hatte, geschah das, weil ich emotional mit meinen Rollen...
Es habe keinen Tag gegeben, so hat Marcel Prawy erzählt, an dem es nicht in ihm gesungen hätte: «Glück, das mir verblieb». Und immer habe er dabei die Stimmen von Maria Jeritza und Lotte Lehmann gehört, die im Palast seiner Erinnerungen fortlebten wie die Marie in der von ihrem Witwer Paul für sie errichteten «Kirche des Gewesenen». In der Hamburger Aufführung von...
