Schweres Gerät
Da draußen in der Ukraine ist noch immer Krieg. Nach mehr als einem Jahr erscheint bei so manchen Menschen die Dauerbetroffenheit darob schon etwas scheinheilig. Die Frage des Für und Wider in Sachen Panzerlieferungen von deutscher Seite spaltet die Gesellschaft. Umso undenkbarer erscheint die Möglichkeit einer rein affirmativen Inansichtnahme von «Kriegsgerät» auf den Bühnen dieser Welt.
Über den Schrecken des Zweiten Weltkrieges schreibt Adorno in seinen «Minima Moralia»: «Der Gedanke, daß nach diesem Krieg das Leben ‹normal› weitergehen oder gar die Kultur ‹wiederaufgebaut› werden könnte – als wäre nicht der Wiederaufbau von Kultur allein schon deren Negation –, ist idiotisch.»
Nicht minder unverantwortlich ist es wohl, eine Produktion von Giuseppe Verdis «I vespri siciliani» (1855) durchgehen zu lassen, die ganz offensichtlich vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine konzipiert und schließlich durchgewunken wurde. (Nicht jeder kann mit dem Thema «Krieg» von der Bildebene her so virtuos und brutal ehrlich umgehen, wie Edward Berger, der Regisseur der zu Recht heuer gefeierten Remarque-Verfilmung «Im Westen nichts Neues».) So ist es aber nun am Teatro alla Scala geschehen. ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Arno Lücker
Prinz Harrys Enthüllungen der Sauereien im englischen Königshaus wirken fast wie das Greinen eines beleidigten Kindes im Vergleich zu dem Anblick, der sich uns am Beginn der Ouvertüre von Donizettis «Roberto Devereux» bietet. Auf der Bühne liegt die enthauptete Anne Boleyn in einer Blutlache, ihr Henker steht noch mit gezücktem Degen vor der Leiche; im Hintergrund...
Wenn dies auch Tollheit ist, hat es doch Methode», scheint mit Shakespeares «Hamlet» die Devise dieser Aufführung zu sein. «Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro» heißt (übersetzt) der Titel von Beaumarchais’ aufrührerischer Komödie, die Mozarts und Da Pontes Oper zugrunde liegt. In Barbora Horá-kovás Inszenierung, die das Nationaltheater Mannheim im...
Im vergangenen Jahr arbeitete die Nationaloper Lviv an der Grenze des menschlich Möglichen. Trotz zahlloser Unterbrechungen durch Sirenen und Stromausfälle brachte sie mehrere Neuproduktionen auf die Bühne des zum UNESCO-Welterbe zählenden Hauses. «Das ist unsere Frontlinie», sagen ukrainische Künstlerinnen und Künstler. Die letzte dieser Premieren mit dem Titel...
