Da hinten wohnt das Idyll
Giorgio Strehler hatte einen Traum. Er träumte von einem Theater voller Schönheit, Freude, Musik, das nur durch «kleine Spritzer von Bitterkeit» irritiert würde, die aber rasch vergessen seien. Er träumte von einem «menschlicheren» Theater, das an die Welt gebunden ist, als Ganzes, im Guten wie im Bösen, im Bemühen wie im Kämpfen. Welt und Theater sollten, so Strehler in bester dialektischer Manier, als Erfahrung eines Einzelnen (oder auch mehrerer Individuen) durchaus als Kontrast sichtbar werden, aber zugleich eine Einheit bilden.
Dabei könne dieses Theater zur Veränderung des Theaters, der Welt und tausend anderer äußerer Fakten der Geschichte beitragen. 1955 traf Strehler in Mailand einen Mann, der ihm als geeignet erschien, die Imagos für ein solches Theater zu kreieren, zunächst nur in Form von Kostümen, dann aber bald auch in Form von Bühnenbildern: Ezio Frigerio. An der Accademia di Belle Arti di Brera hatte er Malerei studiert, an der Politecnico einen Blick auf die Kunst der Architektur gewagt (ohne allerdings dieses Studium zu beenden), um dann einige Jahre lang als Werbegrafiker und Buchillustrator sein Geld zu verdienen. Was Strehler zu diesem Zeitpunkt noch nicht ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Jürgen Otten
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