Nirwana des Schönklangs
Über den Charakter seiner Salome war sich Oscar Wilde im Arbeitsprozess lange unschlüssig. War sie nun eine Femme fatale wie auf den Gemälden Leonardo da Vincis und Gustave Moreaus, die ihn sehr inspirierten, oder eine Femme fragile wie auf einem Bildnis Bernardino Luinis? «Ihre Wollust muss unermesslich, ihre Pervertiertheit grenzenlos sein», notiert er einmal. Doch an anderer Stelle behauptet er wieder: «Ihre Schönheit hat nichts Sinnliches … in ihren Pupillen leuchtet die Flamme des Glaubens.
» Tatsächlich lässt Wilde in einem frühen Entwurf des Stückes Salome als Jüngerin Jesu enden.
Die Faszination, die von der Figur in der Opernfassung ausgeht, erklärt sich gerade aus der Dialektik von «fatale» und «fragile», von Grausamkeit und kindlicher Unschuld. Sängerinnen wie Ljuba Welitsch, Christl Goltz und Inge Borkh, später auch Anja Silja haben in der Nachkriegszeit unser Bild von der Figur geprägt. Mit großer Spannung wurde deshalb das Rollendebüt von Nina Stemme in Barcelona erwartet.
Nina Stemme ist weder vom Typ noch vom Stimmcharakter her eine Kindfrau. Wenn sie in Guy Joostens Neu-Inszenierung im weißen Kleidchen, mit blondem Pferdeschwanz, neckisch herbeihüpft, so ist dies ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man muss nicht immer Opern gegen den Strich bürsten. Stoffe wie «Così fan tutte» entfalten gerade ohne krampfhafte Aktualisierung großen Reiz. Bei der Züricher Neuproduktion verlegt Sven-Eric Bechtolf die Geschichte in die Entstehungszeit des Werkes. Im wissenschaftsgläubigen Zeitalter der Aufklärung ist der von Don Alfonso (präsent: Oliver Widmer) angeregte...
Die Zweifel, die Händel-Forscher Rainer Heyink im Booklet der Neueinspielung am mutmaßlichen Auftraggeber des «Rodrigo» äußert, scheinen nur allzu berechtigt: Sollte der toskanische Großherzog Ferdinando de Medici wirklich eine Oper bestellt haben, in der ausgerechnet der Herrscher als ziemlicher Versager porträtiert wird? Bei der Florentiner Uraufführung 1707...
Ein Wurf? Wenn man «Hamlet» mit den Meisterwerken von Hans Werner Henze oder mit Aribert Reimanns «Lear» vergleicht – dann gewiss nicht. Doch mit sonstigen Berliner Uraufführungen kann sich die neue Oper von Christian Jost ohne Mühe messen. Der Publikumserfolg des Premierenabends galt neben dem pragmatisch zupackenden Gestus vor allem der Tatsache, dass hier...
