Chauvinist!
Minderwertigkeitskomplexe hat er nicht: Als der Kongress seinen Vorschlägen zustimmt, dankt er «im Namen der Menschheit». Seinen Mitarbeitern gegenüber gibt er sich als toleranter Chef. Doch seine Anordnungen setzt er mit brutaler Härte durch, Zuwiderhandelnden drohen drakonische Strafen.
Wer ist es? Obama? Nein, denn Frauen kommen bei ihm für Führungsaufgaben nicht in Betracht. Und Trägern anderer Hautfarben gegenüber scheint er deutliche Vorbehalte zu haben.
Wer dann? Ein Erfolgspolitiker aus den Südstaaten oder aus der Innerschweiz?
Der Mann, von dem hier die Rede ist, entwickelte sein Persönlichkeitsbild erstmals am 30. September 1791 vor einem breiteren Publikum. Und obwohl einer seiner Mitarbeiter erklärt, er bewundere an seinem Vorgesetzten unter anderem die «weisheitsvollen Reden», hat die Nachwelt doch einige Zweifel an der Integrität dieses Charakters angemeldet. Zweifellos würden Frauen seine an junge Mädchen gerichtete Mahnung, «ein Mann muss eure Herzen leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus seinem Wirkungskreis zu schreiten», sarkastisch mit «Chauvi» apostrophieren. Und seine disqualifizierenden Bemerkungen über einen Farbigen, seine Seele sei ebenso schwarz wie ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Gerhard Persché
Wien, Domgasse 5. Im ersten Stock die Wohnung, in der Mozart während der Arbeit am «Figaro» wohnte. Es sind schöne stille Räume, angefüllt mit gefrorener Zeit, und der Besucher fragt sich, ob das schrille Lachen, mit dem Tom Hulce als Faun Amadeus in Milos Formans Film nicht nur F. Murray Abrahams Salieri, sondern auch den Zuschauer nervte, dort tatsächlich je...
Ganz gleich, ob es sich um die Contessa oder Susanna im «Figaro», Donna Elvira oder Zerlina im «Don Giovanni», Pamina oder Königin der Nacht in der «Zauberflöte» handelt – bei Mozart steht als Besetzungsangabe immer nur «Sopran». Die Differenzierung nach verschiedenen Stimmfächern ist eine Erfindung späterer Zeit, die dafür sorgte, dass Sängerinnen, die der «Hölle...
Oedipe
Am Mythos von Ödipus arbeitete sich George Enescu sein halbes Komponistenleben ab. Zwischen der ersten Berührung mit dem Stoff und der Pariser Uraufführung des vieraktigen «Oedipe» vergingen 22 Jahre. Hans Neuenfels hat das Stück an der Oper Frankfurt neu inszeniert – mit Simon Neal in der Titelpartie und Tanja Ariane Baumgartner als Jokaste.
Renata Scotto
K...
