Charlottes Triumph
Als wär’s ein von Magritte gemalter Meteorit, liegt inmitten der Puppenstuben-Idylle ein großer Stein, auf dem die Titelfigur thront – am Schreibtisch. Regisseur und Ausstatter Jürgen Rose hat dieses Bild der Isolation sinnig erdacht, doch szenisch glaubhaft wird es nicht. Denn das Zeichen für die Omnipräsenz des Briefdichters würde erst Sinn machen, wenn er immer auf der Bühne wäre – wie die Senta in Harry Kupfers Bayreuther «Holländer». Aber dazu ließ sich Startenor Marcelo Alvarez offenbar nicht überreden.
Was er an Hände-tief-ins-Gesicht-Graben, Armrecken, Armrudern und Grimassieren demonstrierte, kann man nur regieresistent nennen. Nichts blieb von Goethes und Massenets Empfindsamkeit, nichts von zarter Schwärmerei, nichts vom Wechsel zwischen Glückseligkeit und Lebensüberdruss. Nichts auch von französischer Idiomatik. Stattdessen auch im Singen permanent Leidenschaft pur. Die freilich liegt Alvarez.
Was für eine großartige Partnerin hatte er in Sophie Koch! Wie sie als Charlotte mit einer kleinen Drehung des Körpers, einer Geste, einem Blick die unausgesprochene Abneigung zum vorbestimmten Gatten ausdrückt, wie sie im dritten Akt von der Sorge um ihren Geliebten und ...
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Als Carl Orff nacheinander die Dramen «Antigonae» und «Oedipus der Tyrann» von Sophokles sowie den «Gefesselten Prometheus» von Aischylos auf die Bühne brachte, da feierten seine Anhänger, darunter so prominente Lobredner wie der Tübinger Altphilologe Wolfgang Schadewaldt und der Münchner Musikologe Thrasybulos Georgiades, diesen Austritt aus der Moderne als...
24. Februar 1607. Geburtsstunde der Oper. An diesem Tag wurde am Hof der Herzöge von Mantua die «Favola d’Orfeo» uraufgeführt. Monteverdis Vertonung des Orpheus-Stoffes war zwar nicht die erste – die «Euridice» von Peri und die von Caccini gingen sieben bzw. zwei Jahre zuvor in Florenz über die Bühne –, doch erst bei Monteverdi wird der singende Mensch, wird seine...
Würde man die neue «Carmen» in Covent Garden an der Zahl der Hintern messen, die sie auf die Stühle des Royal Opera House lockt, müsste man sie einen spektakulären Hit nennen. Francesca Zambellos Inszenierung gibt dem Publikum Zucker, die Produktion wird sich zweifellos als ebenso langlebige wie profitable Repertoire-Nummer bewähren.
Macht man das Urteil indes an...
