Bunte Endzeit
«Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein», singt Sophie am Schluss ätherisch weltentrückt, als könne sie selbst noch nicht ganz fassen, was mit ihr geschehen ist. Für Stefan Herheim ist die halb imaginäre, halb reale Welt, die Hofmannsthal und Strauss in ihrer «Komödie für Musik» zu einem kunstvollen Ganzen ineinandergefügt haben, Traumtheater – ein modernes Endzeitstück im Rokoko-Gewand, das er mit überbordender, Bild an Bild und Bedeutung an Bedeutung knüpfender Fülle auf die Bühne des Stuttgarter Opernhauses setzt.
Mit einem glänzenden Einfall schieben Herheim und seine Bühnenbildnerin Rebecca Ringst Ende und Anfang ineinander. Wenn der Vorhang hochgeht, bleibt das Orchester zunächst stumm. Wir sehen, wie die Marschallin unterm Glassturz einer riesigen Schneekugel traumverloren dem Liebesglück nachsinnt – bis sie den Spiegel, vor dem sie sitzt, zerschlägt. Die Splitter werden uns bis ans Ende begleiten. Gleichzeitig lösen sich aus dem gemalten Rundhorizont (einer Collage, die Hans Makarts «Triumph der Ariadne» mit François Bouchers «Raub der Europa» toppt) lüsterne Satyrn, die das erotische Pandämonium der Handlung immer wieder antreiben.
Beide Bilder verankern die Imagination im ...
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