Archaik und Wissenschaft
In Bonn stehen Oper und Schauspiel unter scharfem Sparbeschuss des SPD-Oberbürgermeisters. Mit seiner Weigerung einer Vertragsverlängerung wirkt Generalintendant Klaus Weise jedenfalls nicht wie ein Schlafwandler, sondern wie ein klar denkender Prinzipal, der sein Haus lieber nach guter Arbeit mit erhobenem Haupt verlässt, statt später die Scherben zusammenkehren zu müssen. So wirkt diese «Sonnambula» wie eine Erinnerung an die fetten Jahre unter dem Opernintendanten Jean-Claude Riber, als Geld keine Rolle spielte und die glanzvollsten Stars in der damaligen Bundeshauptstadt gastierten.
Weil aber Klaus Weise sich mehr für Aufbau und Pflege eines fähigen Hausensembles interessiert als für den internationalen Sänger- und Agentenzirkus, kann er jetzt größtenteils auf eigene, junge Kräfte zurückgreifen. Julia Novikova legt die Schlafwandlerin Amina als psychisch labile, verletzliche Kindfrau an – mit wunderbarer Piano-Intensität und schön geführten Koloraturen, denen mit ihren isolierten Spitzentönen und allzu vorsichtigen Bögen vielleicht noch die letzte Souveränität fehlt. Agiler und im dramatischen Ausdruck beherzter geht Emiliya Ivanova als Aminas Gegenspielerin Lisa an die Rampe, ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 66
von Michael Struck-Schloen
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Franz Liszt ist einer der wenigen Komponisten des 19. Jahrhunderts, der alle Gattungen kompositorisch bedacht hat: Solostück, Kammermusik, Orchesterwerk, Lied, Messe und Oratorium, Konzert und Oper. Doch ausgerechnet die Oper wirkt wie ein Fremdling in seinem ansonsten so üppigen Werkkatalog. Als Jugendlicher versucht er sich an «Don Sancho ou Le Château de...
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