Archaik und Wissenschaft
In Bonn stehen Oper und Schauspiel unter scharfem Sparbeschuss des SPD-Oberbürgermeisters. Mit seiner Weigerung einer Vertragsverlängerung wirkt Generalintendant Klaus Weise jedenfalls nicht wie ein Schlafwandler, sondern wie ein klar denkender Prinzipal, der sein Haus lieber nach guter Arbeit mit erhobenem Haupt verlässt, statt später die Scherben zusammenkehren zu müssen. So wirkt diese «Sonnambula» wie eine Erinnerung an die fetten Jahre unter dem Opernintendanten Jean-Claude Riber, als Geld keine Rolle spielte und die glanzvollsten Stars in der damaligen Bundeshauptstadt gastierten.
Weil aber Klaus Weise sich mehr für Aufbau und Pflege eines fähigen Hausensembles interessiert als für den internationalen Sänger- und Agentenzirkus, kann er jetzt größtenteils auf eigene, junge Kräfte zurückgreifen. Julia Novikova legt die Schlafwandlerin Amina als psychisch labile, verletzliche Kindfrau an – mit wunderbarer Piano-Intensität und schön geführten Koloraturen, denen mit ihren isolierten Spitzentönen und allzu vorsichtigen Bögen vielleicht noch die letzte Souveränität fehlt. Agiler und im dramatischen Ausdruck beherzter geht Emiliya Ivanova als Aminas Gegenspielerin Lisa an die Rampe, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 66
von Michael Struck-Schloen
Russland ist derzeit ein besonders korruptes Land, dessen Regierung macht, was sie will. Steif und fest wird offiziell behauptet, die Demokratie floriere auf allen Ebenen. Natürlich spricht das der Realität Hohn. Dem Bolschoi Theater gab es jetzt Anlass zu einer scharfen Satire. Herausgefordert, wie zu Zeiten von Schostakwitschs «Lady Macbeth von Mzensk», fühlt...
Würde man diese Oper spielen, hätte sie nicht ein gewisser Franz Liszt komponiert? Unwahrscheinlich. Obwohl «Don Sanche» durchaus Meriten hat. Das Werk wurde bislang dreimal inszeniert, zuletzt 1986 in Bayreuth zum 100. Todestag des Komponisten. Nun war «Don Sanche» anlässlich seines 200. Geburtstags, nach einer ersten Aufführung im ungarischen Miskolc, in der...
Franz Liszt ist einer der wenigen Komponisten des 19. Jahrhunderts, der alle Gattungen kompositorisch bedacht hat: Solostück, Kammermusik, Orchesterwerk, Lied, Messe und Oratorium, Konzert und Oper. Doch ausgerechnet die Oper wirkt wie ein Fremdling in seinem ansonsten so üppigen Werkkatalog. Als Jugendlicher versucht er sich an «Don Sancho ou Le Château de...
