Bonbonbunt
Wenn, wie in Köln, ein Opernhaus saniert wird und Schlamperei am Bau und endlose Rechtsstreitigkeiten die armen Opernschaffenden dazu zwingen, ewig und drei Tage an (meist ungeeigneten) Ausweichspielstätten zu produzieren, verschieben sich ganz unterschwellig die Maßstäbe für eine gute Aufführung.
Dann entscheiden nicht mehr in erster Linie die Brillanz eines Orchesters, das Rollenprofil einer Sängerin oder die Schlüssigkeit eines Regiekonzepts, sondern nur noch, wie alle mit den schwierigen räumlichen, akustischen und arbeitspraktischen Verhältnissen zurechtkamen – nach der Devise «nicht schlecht, wenn man bedenkt ...». Aber: muss man sich damit zufrieden geben?
In den ehemaligen Messehallen des Kölner Staatenhauses, wo sich die Oper seit einiger Zeit installiert hat, ist es vor allem das Gürzenich-Orchester, das zu leiden hat. Da man die Musiker nicht im Graben versenken kann (es gibt keinen) oder, wie den Chor, über die Bühne scheuchen darf, sind sie mal in eine Seitenecke des Saales gequetscht oder – wie in der aktuellen «Turandot» – hinter die Bühne verbannt. Da wirken sie, in der Tiefe des Raumes hinter einem Gazeschleier, wie eine schamhaft versteckte Gruppe von ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Struck-Schloen
Georg Friedrich Händel
Seine Opern und Oratorien erfreuen sich seit Langem größter Beliebtheit – sowohl bei Regisseuren, Ausstattern und Dirigenten als auch beim Publikum. So auch jetzt wieder. Wohin das Auge blickt – Händel! In Göttingen, Halle an der Saale und in Salzburg
Claus Guth
Seine Inszenierungen werden, von Monteverdi bis Strauss, vor allem ihrer...
Offenbach? So denkt man unwillkürlich, wenn man sieht, wie sich im Straßburger Haus der Opéra national du Rhin zwei Herren vom Schnürboden in den Raum abseilen, der hier die Erde vorstellt. Der eine trägt Frack, Zylinder und Lackschuhe. Und: Drückt sich das Hinüberblinzeln zu Maître Jacques nicht auch darin aus, dass der bessere Herr in den besten Jahren sich in...
Gleich der erste Blick verrät es. Entsetzliches ist geschehen. Wie ein angeschossenes Reh hockt Mélisande, am ganzen Leib zitternd, in der Ecke jenes weiß gekachelten Raumes, dessen kalte Sterilität an das Interieur von Sarah Kanes «Gesäubert» erinnert, in seiner Mischung aus Schlachthaus, Pathologie und – versinnbildlicht durch ein kleines Holzkreuz – christlicher...
