Bonbonbunt
Wenn, wie in Köln, ein Opernhaus saniert wird und Schlamperei am Bau und endlose Rechtsstreitigkeiten die armen Opernschaffenden dazu zwingen, ewig und drei Tage an (meist ungeeigneten) Ausweichspielstätten zu produzieren, verschieben sich ganz unterschwellig die Maßstäbe für eine gute Aufführung.
Dann entscheiden nicht mehr in erster Linie die Brillanz eines Orchesters, das Rollenprofil einer Sängerin oder die Schlüssigkeit eines Regiekonzepts, sondern nur noch, wie alle mit den schwierigen räumlichen, akustischen und arbeitspraktischen Verhältnissen zurechtkamen – nach der Devise «nicht schlecht, wenn man bedenkt ...». Aber: muss man sich damit zufrieden geben?
In den ehemaligen Messehallen des Kölner Staatenhauses, wo sich die Oper seit einiger Zeit installiert hat, ist es vor allem das Gürzenich-Orchester, das zu leiden hat. Da man die Musiker nicht im Graben versenken kann (es gibt keinen) oder, wie den Chor, über die Bühne scheuchen darf, sind sie mal in eine Seitenecke des Saales gequetscht oder – wie in der aktuellen «Turandot» – hinter die Bühne verbannt. Da wirken sie, in der Tiefe des Raumes hinter einem Gazeschleier, wie eine schamhaft versteckte Gruppe von ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Struck-Schloen
Rolando Villazón ist ein Garant für Gesprächsstoff. Den hat er weit vor seinem Regie-Beginn den Düsseldorfern auch geliefert. Mit einem stadtweiten Aufruf, Kleider (gerne auch Lackstiefel für beide Geschlechter) und Accessoires aus den 1970ern abzugeben!
Alles beginnt in einem verstaubten Atelier, eher 19. als 20. Jahrhundert. Alte Schinken auf Staffeleien: Mona...
Endrik Wottrich war – in Stimme und Temperament – ein Heißsporn, den die äußere Welt noch zusätzlich befeuerte. Seine Karriere holte nicht Schwung wie die von Jonas Kaufmann, sie raste gleich los. Kaum hatte der Tenor 1992 als Cassio in Verdis «Otello» debütiert, sang er am Grünen Hügel schon vier Jahre später den jungen Seemann in Wagners «Tristan und Isolde». Die...
Die «Generation Praktikum» hat längst die Opernhäuser erreicht. Früher war das anders, da wurde man einfach ins Wasser geworfen: Adelina Patti war bei ihrem Bühnendebüt gerade mal 16, Lilli Lehmann nur ein Jahr älter, Anna von Mildenburg und Astrid Varnay standen mit 23 erstmals auf den Brettern, beide in der «Walküre» – Mildenburg 1895 als Brünnhilde in Hamburg...
