Bonbonbunt
Wenn, wie in Köln, ein Opernhaus saniert wird und Schlamperei am Bau und endlose Rechtsstreitigkeiten die armen Opernschaffenden dazu zwingen, ewig und drei Tage an (meist ungeeigneten) Ausweichspielstätten zu produzieren, verschieben sich ganz unterschwellig die Maßstäbe für eine gute Aufführung.
Dann entscheiden nicht mehr in erster Linie die Brillanz eines Orchesters, das Rollenprofil einer Sängerin oder die Schlüssigkeit eines Regiekonzepts, sondern nur noch, wie alle mit den schwierigen räumlichen, akustischen und arbeitspraktischen Verhältnissen zurechtkamen – nach der Devise «nicht schlecht, wenn man bedenkt ...». Aber: muss man sich damit zufrieden geben?
In den ehemaligen Messehallen des Kölner Staatenhauses, wo sich die Oper seit einiger Zeit installiert hat, ist es vor allem das Gürzenich-Orchester, das zu leiden hat. Da man die Musiker nicht im Graben versenken kann (es gibt keinen) oder, wie den Chor, über die Bühne scheuchen darf, sind sie mal in eine Seitenecke des Saales gequetscht oder – wie in der aktuellen «Turandot» – hinter die Bühne verbannt. Da wirken sie, in der Tiefe des Raumes hinter einem Gazeschleier, wie eine schamhaft versteckte Gruppe von ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Struck-Schloen
«Wo das Teleskop zu Ende ist, fängt das Mikroskop an; welches von beiden hat die größere Perspektive?» An dieses Zitat aus Victor Hugos «Les Misérables» mag man bei Mandfred Stoys Buch «Die Wiener Staatsoper 1938-1945» denken. Wie dem auch sei: Stoys mikroskopisch sezierender Blick war überfällig, denn mit den Dämonen der mit diesem Zeitraum verbundenen...
Poulencs anspruchsvolle Mono-Oper und Mascagnis Chortragödie im ländlichen Sizilien? Der rechte Boden für den «Liebeswahn» und «Trennungsschmerz», den die Protagonistinnen durchleiden, befand Emma Dante. Doch wenn derart beliebige Schlagworte die entscheidenden Impulse geben, könnte man die Paarung «La Voix humaine» und «Cavalleria rusticana» am Teatro Comunale di...
Kriegsspiele haben Tradition. Auf Holzsoldaten folgten Zinnfiguren, dann kamen Armeen aus Kunststoff, bevor Spielzeugblaster und Ego-Shooter für den bislang letzten Evolutionssprung des homo ludens sorgten. Es gibt aber auch ziemlich intellektuelle Formen der Kriegsspielerei: Die eine heißt Schach, die andere Regietheater. Friedensbewegte Zeitgenossen meinen,...
