Bonbonbunt
Wenn, wie in Köln, ein Opernhaus saniert wird und Schlamperei am Bau und endlose Rechtsstreitigkeiten die armen Opernschaffenden dazu zwingen, ewig und drei Tage an (meist ungeeigneten) Ausweichspielstätten zu produzieren, verschieben sich ganz unterschwellig die Maßstäbe für eine gute Aufführung.
Dann entscheiden nicht mehr in erster Linie die Brillanz eines Orchesters, das Rollenprofil einer Sängerin oder die Schlüssigkeit eines Regiekonzepts, sondern nur noch, wie alle mit den schwierigen räumlichen, akustischen und arbeitspraktischen Verhältnissen zurechtkamen – nach der Devise «nicht schlecht, wenn man bedenkt ...». Aber: muss man sich damit zufrieden geben?
In den ehemaligen Messehallen des Kölner Staatenhauses, wo sich die Oper seit einiger Zeit installiert hat, ist es vor allem das Gürzenich-Orchester, das zu leiden hat. Da man die Musiker nicht im Graben versenken kann (es gibt keinen) oder, wie den Chor, über die Bühne scheuchen darf, sind sie mal in eine Seitenecke des Saales gequetscht oder – wie in der aktuellen «Turandot» – hinter die Bühne verbannt. Da wirken sie, in der Tiefe des Raumes hinter einem Gazeschleier, wie eine schamhaft versteckte Gruppe von ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Struck-Schloen
Vor langer Zeit hat mir eine Kollegin von einer Auseinandersetzung mit einem Regisseur erzählt. Ich habe die Anekdote nie vergessen. Sie schuftete als Fiordiligi für eine Wiederaufnahme. Auch bei der Premiere war sie dabei gewesen, jetzt – mit Abstand – schien ihr manches noch absurder als zuvor. Als es an «Per pietà» ging, konnte sie sich die Frage einfach nicht...
Così fan tutte? Schön wär’s. Nur wenige Dirigenten durchforsten die Partitur dieses Dramma giocoso mit solch mikroskopischer Präzision und geschärftem dramaturgischen Sinn, wie es jetzt Hartmut Haenchen in der Opéra des Nations unternommen hat. Fast möchte man von einer revolutionären Tat sprechen, wäre nicht die Partitur schon ebenso beschaffen. Haenchen folgt...
Am Ende steuert alles auf den Gesamtkunstwerker zu. Naturgemäß, könnte man bei diesem Autor sagen: Auf dem weiten Feld der Wagner-Rezeption gehört Udo Bermbach zu den aktivsten Analytikern. «Wagneriana / Bayreuthiana» bildet das große Finale seines neuen Buchs. Es versammelt Reden, Programmheftbeiträge und andere Essays aus den Jahren 1999 bis 2016, die meisten...
