Volkstümlich
Poulencs anspruchsvolle Mono-Oper und Mascagnis Chortragödie im ländlichen Sizilien? Der rechte Boden für den «Liebeswahn» und «Trennungsschmerz», den die Protagonistinnen durchleiden, befand Emma Dante. Doch wenn derart beliebige Schlagworte die entscheidenden Impulse geben, könnte man die Paarung «La Voix humaine» und «Cavalleria rusticana» am Teatro Comunale di Bologna einfach austauschen – gegen praktisch jede andere aus jedem Jahrhundert der Operngeschichte.
Die Regisseurin aus Palermo hat gerade angekündigt, dass sie sich eine Weile aus der Oper zurückziehen werde, um kreativ nicht auszubrennen. Tatsächlich fehlt es beiden Teilen des Diptychons an Inspiration. «La Voix humaine» spielt in einer Gummizelle, wo Elle von ihren Erinnerungen heimgesucht wird. Doppelgänger geistern umher, ringsum machen sich Ärzte und Schwestern zu schaffen. Die Botschaft kann man gut mit Don Giovanni zusammenfassen: «Freunde, das Mädel ist von Sinnen!». Pastellbeleuchtung und modisch-minimalistische Kostüme tragen zur Ausdifferenzierung des inneren Dramas wenig bei.
In «Cavalleria» beherrschen drei Treppenhäuser das Bild; sie skizzieren, vielfältig zusammenschiebbar, ein italienisches Dorf. Der ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Carlo Vitali
Am Schluss kreist das Planetarium geräuschlos um die eigene Achse, während sämtliche Figuren des Stücks an die Rampe treten und per Videotechnik auf die Bühnenrückwand projiziert werden. Es ist die leisere, aber durchaus transzendenzaffine Variante eines Bildes, mit dem Paul Hindemith zum Ende seiner Oper «Die Harmonie der Welt» nicht weniger als die gesamte...
58. Jahrgang, Nr 6
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Eine Pastellszene der gehauchten, mehr angedeuteten als wirklich aufgetragenen Farben: Das würde ein zünftiges Intendantenbüro heutzutage nur dann ohne Schrammen passieren, wenn ein Regiekaliber vom Range eines – sagen wir: Patrice Chéreau darauf pochte. Eine Art Chéreau hatten die Freiburger indes nicht in der Hinterhand, als sie darangingen, Jules Massenets...
