Blond in Nagasaki
Wenn in «Madama Butterfly» Fetzen der amerikanischen Nationalhymne erklingen, hält das Publikum sie stets für den Herkunftsnachweis von Pinkerton, der als US-Marineoffizier das Herz der kleinen Cio-Cio-San bricht. Die Kölner Neuinszenierung von Patrick Kinmonth beweist, dass sie auch für Butterfly eine Sehnsuchtsmelodie sind. Die Oper ist ja eine getarnte Parabel über verzweifelte Assimilierung. In Köln ist Cio-Cio-San eine Frau, die alles tut, um Pinkertons Idealen zu entsprechen.
Sie hält sich nicht nur für eine Gattin nach amerikanischem Recht und hat den christlichen Glauben angenommen, sie setzt auch eine platinblonde Perücke auf und hat sich einen wuchtigen amerikanischen Kühlschrank zugelegt. Pinkerton soll es haben wie daheim – das ist der naive Glaube einer Fünfzehnjährigen, die nicht begreift, dass Pinkerton das erotische Abenteuer als frivole Beugung des Rechts angelegt hat. Der verzweifelte Konsul Sharpless ahnt es von Beginn an.
Der Kühlschrank steht in einem hölzernen Guckkasten (Darko Petrovic), der sich durch mobile Trennwände nach hinten öffnen lässt und den Blick auf japanische Blütenpracht, feinen Nieselregen oder öde Gegend freigibt – und auf einen kahlen ...
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