Den Menschen etwas geben durch die Kunst
Bis ins hohe Alter hinein ging etwas Königlich-Heroinenhaftes von ihr aus, und doch war Christel Goltz die liebenswerteste und gastfreundlichste Gesprächspartnerin, die man sich denken kann. Immer bereit, aus ihrem künstlerischen wie menschlichen Erfahrungsschatz zu schöpfen, das Resümee einer wunderbaren Karriere weiterzugeben an eine nachfolgende Generation.
Ob sie uns in ihrem urgemütlichen, puppenstubenhaft eingerichteten Heim in Baden bei Wien empfing (nie ohne eine Flasche Sekt und die aus Wien bestellten köstlichen Schnittchen von Trzesniewski), oder ob sie mal kurz nach Dresden flog, um den in ihrem Namen gestifteten Christel-Goltz-Preis für Gesang an einen hoffnungsvollen jungen Kollegen zu überreichen – immer wieder überwältigte sie durch ihre offenbar von keinerlei Altersbeschwerden getrübte ausstrahlende Vitalität, ihre liebevoll-weitherzige Emotionalität, ihren ins Zentrum treffenden, aber nie verletzenden Witz. Jetzt ist sie, obwohl sie immer 100 werden wollte, schon mit 96 Jahren von uns gegangen und wird uns in Erinnerung bleiben als eine der großen Menschendarstellerinnen des vorigen Jahrhunderts.
Ihre Salome, ihre Elektra, ihre Färberin – alle zumindest auf ...
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Seit einiger Zeit schon passen Theatermachern die Texte von Beethovens «Leonore»/«Fidelio» nicht mehr so recht ins Konzept. Mit dem Hohelied auf Ehe und Familie im Gefängnishof können sie so wenig anfangen wie mit dem Gottvertrauen des politischen Gefangenen im finsteren Verlies. Das Jubelkantaten-Finale erscheint gar als Zumutung – es wird gern als konzertanter...
Auf dem Weg viele Stufen hinauf zur St. Peter-und-Pauls-Kathedrale, diesem wunderbaren Joint Venture von Romanik, Gotik und Barock, das die Altstadt von Brünn überragt, hören wir aus einem Haus eine keifend scharfe Frauenstimme. Da wir in Sachen Leos Janácek hier sind, wird uns sofort klar, woran sie uns erinnert: an Kostelnicka, die Küsterin aus «Jenufa» – eine...
Wenn in «Madama Butterfly» Fetzen der amerikanischen Nationalhymne erklingen, hält das Publikum sie stets für den Herkunftsnachweis von Pinkerton, der als US-Marineoffizier das Herz der kleinen Cio-Cio-San bricht. Die Kölner Neuinszenierung von Patrick Kinmonth beweist, dass sie auch für Butterfly eine Sehnsuchtsmelodie sind. Die Oper ist ja eine getarnte Parabel...
