Den Menschen etwas geben durch die Kunst
Bis ins hohe Alter hinein ging etwas Königlich-Heroinenhaftes von ihr aus, und doch war Christel Goltz die liebenswerteste und gastfreundlichste Gesprächspartnerin, die man sich denken kann. Immer bereit, aus ihrem künstlerischen wie menschlichen Erfahrungsschatz zu schöpfen, das Resümee einer wunderbaren Karriere weiterzugeben an eine nachfolgende Generation.
Ob sie uns in ihrem urgemütlichen, puppenstubenhaft eingerichteten Heim in Baden bei Wien empfing (nie ohne eine Flasche Sekt und die aus Wien bestellten köstlichen Schnittchen von Trzesniewski), oder ob sie mal kurz nach Dresden flog, um den in ihrem Namen gestifteten Christel-Goltz-Preis für Gesang an einen hoffnungsvollen jungen Kollegen zu überreichen – immer wieder überwältigte sie durch ihre offenbar von keinerlei Altersbeschwerden getrübte ausstrahlende Vitalität, ihre liebevoll-weitherzige Emotionalität, ihren ins Zentrum treffenden, aber nie verletzenden Witz. Jetzt ist sie, obwohl sie immer 100 werden wollte, schon mit 96 Jahren von uns gegangen und wird uns in Erinnerung bleiben als eine der großen Menschendarstellerinnen des vorigen Jahrhunderts.
Ihre Salome, ihre Elektra, ihre Färberin – alle zumindest auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mucksmäuschenstille. Noch ist nichts zu hören. Orchesterschweigen. Umso mehr ist zu sehen. Rechts, im Spelunkenlicht, steht Donner, eng umschlungen, kussintensiv. Wer die Dame wohl sein mag? Erst später wird sich herausstellen: Die Dame ist ein Herr und heißt Froh. Unterdessen wartet am linken Bühnenrand jemand mit Plastiktüte. Ein Beobachter. Ein stummer Geist....
Im Westen kennt man Nikolai Rimsky-Korsakow als fantasievollen musikalischen Märchenerzähler durch seine sinfonische Suite «Scheherazade». Man rühmt ihn als glänzenden Koloristen in viel gespielten Orchesterwerken wie dem «Capriccio espagnol» oder der Ouvertüre «Russische Ostern». Und man kennt den in zahllosen Transskriptionen verbreiteten «Hummelflug». Die...
Katharina Wagners «Meistersinger»-Inszenierung ist zweifellos das, was man einen Wurf nennt: frisch, frei, ironisch, ehrlich, der Komplexität des Stückes in jedem Moment gewachsen. Sie entdeckt viel Düsteres und Böses, wo üblicherweise die Jubelparade dominiert. Sie ist offen in den Ideen, aber geschlossen in der theatralen Umsetzung. Sie spielt mit...
