Blitzen, Glühen, Schneiden, Schmiegen
Wie treffend, wie irreführend hat Ferruccio Busoni den Begriff «Opernspiel» für seine «Doktor Faust»-Oper gewählt. Von der Leichtigkeit eines Spiels hat dieses Werk nichts. Busoni, der, trotz seiner Herkunft, seinem Temperament nach eher ein Nördler denn ein Südländer war, zergrübelt diese Oper – was passend ist, bei diesem Stoff. Und doch ist es ein Spiel. Busoni spielt mit Zitaten, mit dem Hörer, auch mit der Handlung, indem er sie in einzelne Szenen zerklüftet. Das Werk ist so etwas wie eine Versuchsanordnung.
Stringenz, motivische Brücken, rote Fäden spielen da eine Nebenrolle. Entsprechend türmt Tomas Netopil am Pult des Bayerischen Staatsorchesters die einzelnen Mosaiksteinchen auf- und nebeneinander, bemüht sich darum, die Balance zu halten zwischen den Bedürfnissen der Vokalsolisten und der Funktion des Orchesterparts, so wie Busoni ihn sich vorstellte: als eigenständigen Kommentar.
Im Jahr 2008 kam «Doktor Faust» erstmals in München auf die Bühne. Der Live-Mitschnitt von den Opernfestspielen liegt nun auf drei CDs vor. Ob es klug war, die unvollendete Version Busonis an Stelle der Alternativschlüsse durch Jarnach oder Beaumont zu wählen, bleibe dahingestellt. Die ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Christoph Vratz
Frau Herlitzius, Ihr Operndebüt absolvierten Sie mit 30 Jahren relativ spät. Brauchen große Stimmen länger?
Ja, natürlich. Das Wissen darum scheint allerdings etwas verloren gegangen zu sein ... Es ist ja ein gewaltiger Unterschied, ob Sie eine Vespa fahren oder einen Schwerlaster. Und das Ziel ist, den Schwerlaster genauso flexibel zu lenken wie die Vespa. Es geht...
Mit einem Schrei der Senta wird der Zuschauer in die Pause entlassen. Der Regisseur Alexander Nerlich legte sie auf den Beginn des Finales zum zweiten «Holländer»-Akt, wo der geheimnisvolle Mann erstmals in Sentas Blickfeld tritt, genauer: wie von einer unsichtbaren Macht auf die Bühne geworfen wird. Nerlich geht es in dieser Geschichte vor allem um den Einbruch...
Man wollte es nach der Wende sogar abreißen. Seit 2007 war es geschlossen, nun wurde das Erkel Theater als zweites Haus der Ungarischen Staatsoper wiedereröffnet. In neuem Glanz, könnte man sagen, wenn das «Lifting» des in seiner 100-jährigen Geschichte mehrfach umgebauten Hauses nicht auch diesmal karg ausgefallen wäre. Als Ausweichquartier für die Staatsoper,...
