Blitzen, Glühen, Schneiden, Schmiegen
Wie treffend, wie irreführend hat Ferruccio Busoni den Begriff «Opernspiel» für seine «Doktor Faust»-Oper gewählt. Von der Leichtigkeit eines Spiels hat dieses Werk nichts. Busoni, der, trotz seiner Herkunft, seinem Temperament nach eher ein Nördler denn ein Südländer war, zergrübelt diese Oper – was passend ist, bei diesem Stoff. Und doch ist es ein Spiel. Busoni spielt mit Zitaten, mit dem Hörer, auch mit der Handlung, indem er sie in einzelne Szenen zerklüftet. Das Werk ist so etwas wie eine Versuchsanordnung.
Stringenz, motivische Brücken, rote Fäden spielen da eine Nebenrolle. Entsprechend türmt Tomas Netopil am Pult des Bayerischen Staatsorchesters die einzelnen Mosaiksteinchen auf- und nebeneinander, bemüht sich darum, die Balance zu halten zwischen den Bedürfnissen der Vokalsolisten und der Funktion des Orchesterparts, so wie Busoni ihn sich vorstellte: als eigenständigen Kommentar.
Im Jahr 2008 kam «Doktor Faust» erstmals in München auf die Bühne. Der Live-Mitschnitt von den Opernfestspielen liegt nun auf drei CDs vor. Ob es klug war, die unvollendete Version Busonis an Stelle der Alternativschlüsse durch Jarnach oder Beaumont zu wählen, bleibe dahingestellt. Die ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Christoph Vratz
Herr Protschka, warum brauchen wir einen Gesangswettbewerb ohne Altersbeschränkungen?
Ein Wettbewerb wie ArtOpera ist wichtig, weil Sängerbiografien nicht so geradlinig verlaufen wie die von Instrumentalisten. Wir Sänger fangen relativ spät an – Ausnahmen wie Anja Silja bestätigen die Regel. Meist geht es erst nach der Pubertät oder nach dem Stimmbruch richtig los....
Die Tragödie ist so gut wie vergessen. Am 1. März 1954 geriet der japanische Fischer Aikichi Kuboyama nach einem Nukleartest der amerikanischen Marine unweit des Bikini-Atolls mit 22 anderen Seeleuten in einen radioaktiven Ascheregen. Ein halbes Jahr später war er tot. Das erste Opfer der Wasserstoffbombe. Eine Sekunde hielt die Welt den Atem an, dann ging sie zur...
Es beginnt ohne Orchester mit einem faszinierenden Klangsymbol. Eine knabenhaft helle, gleißende Sopranlinie fährt wie ein Lichtbogen durch den dunklen Raum. Auffällig an dem ansonsten schlichten Melisma das Tritonus-Intervall, als traditioneller diabolus in musica hier Vorbote von Verhängnis. Tatsächlich erscheint das periodisch im Stück wiederkehrende...
