Blickwechsel
Multikulti und Barock – geht das zusammen? Ja, sagt der argentinische Musiker und Dirigent Gabriel Garrido in einem Interview für das Festival «Theater der Welt», das in diesem Jahr in Mülheim und Essen Station machte. «Die Welt des Barock öffnet sich anderen Welten, reist um den Planeten, entdeckt das Universum. ... Das Expressive des Barock ist ein Gegengift gegen die uns umgebende Verdrießlichkeit, ist Bewegung, Passion, Reise, métissage, Farbe, Feiern, Teilhabe. Vielfalt und Reichtum. Das magere Mobiliar, das minimalistische Grau in Grau nähert sich dem Ende.
Es kündigt sich die neo-barocke Weltsicht an.» So viel Emphase spürt man selten im kühlen Norden. Schon gar nicht im tristen Revier zwischen Dortmund und Duisburg. In einer Gegend, wo nicht die Zitronen blühen, sondern Pommes mit Mayo. Wo immer mehr Kommunen kurz vor dem Bankrott stehen. Wo einen die Krise aus jeder Brandmauer anspringt und es kaum was zum Feiern gibt. «Für mich ist die Musik nicht nur Klangelement, sondern Teil eines in Raum und Zeit integrierten Ganzen. Barockmusik ist Teil unserer zeitgenössischen Kunst.» Auch das sind frische Töne, die man im Kulturdiskurs an der Ruhr, überhaupt in den ...
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Ein «Traktat über die heilende Kraft homosexueller Liebe» nannte der Librettist E. M. Foster Benjamin Brittens Oper «Billy Budd». Doch spielte dies in der Rezeptionsgeschichte des Werks kaum eine Rolle. Zum Thema Männerliebe verhielten sich die Engländer, zumal die Vertreter der Mittel- und Oberschicht, lange ambivalent. Gern zitierte man in diesem Zusammenhang...
Mit seiner dritten Oper, der abendfüllenden zweiaktigen Farce «L’equivoco stravagante» (Das wunderliche Missverständnis), hatte der erst 19-jährige Gioacchino Rossini wenig Glück. Die Behörden in Bologna, wo das Stück herauskam, stießen sich an den erotischen Freizügigkeiten des Textes von Gaetano Gasbarri wie an dem Plot selbst. Nach nur drei Aufführungen wurde...
Vorweg: Lassen Sie sich durch das Cover-Foto nicht irre machen! Die lettische Mezzosopranistin Elina Garanca ist anders und besser als ihre PR, die sie offenbar als erotische Ikone für eine männliche Zielgruppe 70+ vermarkten will. Ihr neues Album, das ihre viel gelobte Carmen ins Umfeld spanischer und von Zigeunermelodik inspirierter Musik stellt, weist sie als...
