Editorial

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In Deutschlands größtem Opernhaus geht die Spielzeit mit einer Dissonanz zu Ende, die noch lange nachhallen wird. Kent Nagano verlässt die Bayerische Staatsoper. In einer offiziellen Erklärung heißt es, er stehe für eine Vertragsverlängerung nach 2013 nicht zur Verfügung. Im Wortlaut schreibt der amerikanische Dirigent: «Die kulturelle Prägung Münchens, seine Tradition und Atmosphäre sowie besonders meine Kolleginnen und Kollegen haben es mir erlaubt, als Künstler zu wachsen.» Es spricht für Nagano, dass er so noble Worte findet.

Denn vorausgegangen war ein knallharter Machtkampf. Und geplant war sowieso alles ganz anders. 2006 sollte der neue GMD zusammen mit Intendant Christoph Albrecht antreten, dessen Vertrag schon vor Amtsantritt aufgelöst wurde (was sich der Mann aus Dresden hoch bezahlen ließ). Nach zwei (von einem Leitungsteam um Nagano) anständig überstandenen Interimsjahren kam Nikolaus Bachler. Der intrigengestählte Burgtheaterdirektor krempelte vieles um an der Maximilianstraße, setzte intern auf neues Personal, umwarb Regisseure vom Schauspiel, holte Schlingensief und die Freunde von Coop-Himmelb(l)au, gierte nach attraktivem Nachwuchs, buhlte aber auch um Superstars à ...

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Opernwelt August 2010
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

Vergriffen
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Blickwechsel

Multikulti und Barock – geht das zusammen? Ja, sagt der argentinische Musiker und Dirigent Gabriel Garrido in einem Interview für das Festival «Theater der Welt», das in diesem Jahr in Mülheim und Essen Station machte. «Die Welt des Barock öffnet sich anderen Welten, reist um den Planeten, entdeckt das Universum. ... Das Expressive des Barock ist ein Gegengift...

Dante lässt grüßen

Puccini mochte es gar nicht, wenn die drei Einakter seines «Trittico» auseinandergerissen und mit Stücken anderer Komponisten gekoppelt wurden. Die Met trieb dieses Spiel zu besonders aparten Kombinationen und spielte jahrelang «Gianni Schicchi» als Aufwärmer vor «Salome». Doch so berechtigt der Hinweis auf die dramaturgische Einheit des «Trittico» ist: Es wächst...

Monteverdi authentisch?

Die Aufführung von Monteverdis «Orfeo», die unter Paul Hindemiths Leitung am 3. Juni 1954 in Wien stattfand und deren Mitschnitt nun erstmals auf Tonträgern zugänglich ist, hatte für den damals 24-jährigen Nikolaus Harnoncourt, der im Orchester saß, «die Wirkung eines Blitzschlags». Er war schon damals dabei, ein eigenes Ensemble für Alte Musik aufzubauen (den...