Blauweiß karierte Charmeoffensive
So stellen sich die Bayern ihren weiß-blauen Himmel eben vor: als allerliebreizendstes Barockputten-Paradies, in das man freilich bei Ablauf der Lebensfrist nicht unbedingt berufen werden will. Man kann ja schließlich auch Gevatter Tod, hier Boandlkramer genannt, mit «Kerschgeist» beim Karteln unter den Tisch saufen. «Der Brandner Kasper», nach Franz von Kobells Kurzgeschichte von Joseph Maria Lutz (1893-1972) fürs Theater adaptiert, ist so etwas wie das freistaatliche Nationalstück.
Jahrzehntelang lief eine legendäre Inszenierung am Staatsschauspiel, derzeit ist eine Version Christian Stückls an seinem Münchner Volkstheater der Renner der Landeshauptstadt.
Gut Immling, das Opernfestival auf den grünen Hügeln des Chiemgaus, wollte dem nicht nachstehen. Als «bairische Oper» wurde der dortige «Brandner Kasper» beworben. Was etwas hoch gegriffen ist: Das, was Christian Auer, bei Film- und Fernsehkomponist Enjott Schneider ausgebildet, und Librettist Karl-Heinz Hummel, tätig unter anderem als Kabarettautor, geschaffen haben, ist eine zweieinhalbstündige Melange aus Singspiel und Musical. Die funktioniert leidlicher als gedacht, vor allem, weil sich die Immlinger einmal nicht in Ambition ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Magazin, Seite 98
von Markus Thiel
Den Grenzbereich zwischen Wahn und Wirklichkeit habe er ausloten wollen, sagt Librettist und Regisseur Alexander Müller-Elmau. Da ist es fast schon schade, dass er zur Motivation der unter dieser Prämisse entwickelten Bühnenaktion ein konventionelles Narrativ bemüht, das, wenn auch fragmentarisch aufgebrochen, Missbrauchserfahrungen und kindliche Traumata...
Hier kocht der Chef. In der Welt der Küchenschlachten und Topfgeldjäger gilt dies als Referenz. Doch kann das gelegentlich auch schiefgehen – wenn nämlich der an sich zuständige Maître sich bei den Zutaten vergreift. Im übertragenen Sinne ist dies nun dem Wiener Stagione-Opern-Kulinarikum (das freilich über solch rein Kulinarisches meist hinauslangt) passiert, weil...
Frau Saariaho, brauchen Sie die Oper, um ein größeres Publikum zu erreichen?
Ja, so ist es. Denn die Oper bringt ja nicht nur ein größeres Publikum, sondern auch ein gemischteres. Und sie bringt die großen Dirigenten. Wenn es gute Aufführungen sind, ist die Oper für viele Menschen ein gut zugängliches Medium. Von «L’Amour de loin» gab es immerhin acht Produktionen....
