Bestäubter Erfolg
Diese Uraufführung Ludger Vollmers und seiner Librettistin Jenny Erpenbeck, entstanden nach dem verzweifelt um seinen Fortschrittsoptimismus kämpfenden, schließlich abgebrochenen Roman-Epos Werner Bräunigs und mit beträchtlichem Aufwand als eines der Zentralereignisse des Chemnitzer Kulturhauptstadt-Jahres vorbereitet, war ein großer Erfolg.
Da allerdings mancher schnell ausgekostete Rausch einen längerfristig letalen Ausgang bedingen kann, muss man vorsichtig bleiben, und es mischt sich womöglich etwas toxischer Staub in die reine Freude – ähnlich dem jener «Schneeberger Krankheit», die gegen Ende schicksalsschwer durch den Text geistert: radioaktiver Feinstdreck, der sich bei der Untertage-Arbeit in die Lungen der Wismut-Kumpel einnistete und ihnen weit überdurchschnittliche Frühsterberaten bescherte. Andererseits erhielten die Bergleute beim sowjetisch dirigierten Uranschürf-Unternehmen nicht nur soziale Betreuung und Hochprozentiges zum Billigpreis, sondern auch die höchsten Löhne der damaligen Ost-Besatzungszone. In Chemnitz saß bis zur Auflösung 1991 die Zentrale des inzwischen deutsch-russischen Unternehmens, Nachfolgeeinrichtungen arbeiten bis heute; auch diese enge lokale ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Gerald Felber
Henry James’ Novelle «The Turn of the Screw» entspringt der Tradition der englischen Gothic Novel, ist psychologisch allerdings so verfeinert, dass sich das Schaurige, die Bedrohungen der Kinder Miles und Flora durch die Geisterscheinungen der verstorbenen Hausangestellten Quint und Miss Jessel, nur erahnen lässt. Dem entspricht Brittens Oper als eine lose Folge...
Der Grundgedanke, den Nils C. Kumkar in seinem kürzlichen erschienenen Buch «Polarisierung» formuliert, entbehrt nicht eines gewissen dialektischen Charmes. Polarisierung, so der an Bremens Universität lehrende Soziologe, sei a priori nichts Verwerfliches, sondern, ganz im Gegenteil, wesentliche Ingredienz einer funktionierenden Demokratie. Kumkar sieht...
Auf dem Cover seiner Einspielung des «Idomeneo» scheint Simon Rattle – mit geschlossenen Augen, Daumen und Zeigefinger der rechten Hand zur Geste des «Superb!» geformt – verzückt ein delikates Gericht zu verkosten. Assoziativ denkt man an Wolfgang Hildesheimers Befremdung (in seiner Mozart-Biographie), dass am Hofe des Salzburger Erzbischofs «die Musik – gleichsam...
