Besondere Kennzeichen: keine
Gewartet hat niemand auf diesen neuen «Tristan». Der Katalog ist voll von erstrangigen Live- und Studio-Aufnahmen aus früheren Tagen, aber auch das aktuelle Angebot (Thielemann bei DG, Pappano bei EMI, Segerstam bei Naxos) dürfte den Bedarf bis auf Weiteres gedeckt haben. Der auf drei Abende verteilten konzertanten Aufführung aus London, die Warner nun drei Jahre später als CD präsentiert, fehlt der Stempel des Unverwechselbaren. Sie bietet vokal wie orchestral lediglich guten Durchschnitt.
Das betrifft leider auch die beiden Protagonisten.
John Treleaven ist auf der heutigen Szene einer der profiliertesten Darsteller des Tristan, aber ohne seine Bühnenpräsenz, auf den schieren Klang seiner Stimme reduziert, kann er diesen Status nicht behaupten. Christine Brewer, ein Zwischenfachsopran von eher dunkler Farbe, gerät bei den hochdramatischen Passagen leicht ins Flackern. Ihre Diktion ist dazu ziemlich mulmig, so dass viele Details verloren gehen. Im Liebesduett bleiben beide Sänger deutlich hinter dem Standard zurück, den heuer in Bayreuth Robert Dean Smith und Nina Stemme gesetzt haben. Peter Rose ist ein sprachlich sehr prägnanter, ausdrucksstarker König Marke ohne die ...
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