Berührend tiefenscharf
Wie das neonleuchtende Logo einer Konzernzentrale prangt das «W» an jenem die Rückwand der Bühne bildenden Gerüst, von dem der aus der Handlung abgetretene, nunmehr stumme Wotan-Wanderer die Vollendung seiner Götterdämmerung distanziert, resigniert und doch interessiert betrachtet. Der Buchstabe war das Signet der vorangegangenen drei Teile der Tetralogie.
Er deutet vielsagend und nun immer mehr verblichen auf Walhall, Wotan und Walküre hin, womöglich auch auf den Werkschöpfer Wagner selbst – oder doch gleich auf die Welt, die im alten Recht der Göttersippe gänzlich abgewirtschaftet hat.
Fraglos ein Welttheater haben die Kasseler «Ring»-Schmiede um den genialischen Generalmusikdirektor Francesco Angelico und Markus Dietz, den klugen, die Musik zu Rate ziehenden Oberspielleiter der Schauspielsparte, gewagt. Wobei ihnen etwas Seltenes gelingt. Sie arbeiten einerseits mit klaren, die vier «Ring»-Abende überwölbenden Zeichen, die dem Publikum als szenische Leitmotive zu visuellen Gefühlswegweisern werden wie die semantisierte Sinnlichkeit der musikalischen «Garderoben-Nummern» (Igor Strawinsky). Und sie konkretisieren in ihrem unaufgeregt genauen, theaterprallen Erzählstil ...
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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Peter Krause
Es lockt erst einmal alles in die falsche Richtung. Barrie Kosky, der Operetten-Derwisch, inszeniert einen Berlin-Abend mit Schlagern der 1920er- und 1930er-Jahre, arrangiert rund um eine Klassik-Diva. Das kleine Orchester auf der Vorbühne schraubt sich schamlos in die Romaklänge von Nico Dostals «Heut’ Abend lad ich mir die Liebe ein!». Ein letzter Taumel aus dem...
Herr Workman, Sie wollten zunächst Schauspieler werden ...
So ist es. Meinen ersten Uni-Abschluss habe ich im Sprechtheater gemacht. Mit 21 bin ich sogar für ein Jahr nach New York gegangen, ohne irgendwo engagiert zu werden. Nebenher habe ich Trompete gespielt und Gesangsunterricht genommen. Damals habe ich nie an Oper gedacht, eher schon konnte ich mir eine...
Kurioser als die Gesangskarriere der amerikanischen Sopranistin Eileen Farrell (1920-2002) ist im 20. Jahrhundert wohl keine verlaufen. Begonnen hat sie mit einer eigenen Radioshow im CBS-Rundfunk, geendet ist sie als Blues-Sängerin mit populären Alben. Dazwischen liegen Triumphe als Konzertsängerin und weniger erfolgreiche Opernauftritte an der New Yorker Met....
