Bequemschuh und Kettensäge
Mit Andrea Moses in Stuttgart und Christof Loy an der Deutschen Oper Berlin haben fast gleichzeitig zwei Regisseure zu Verdis «Falstaff» gegriffen, die bisher nicht gerade als Komödianten hervorgetreten sind. Verdis bitterböses Weltabschiedswerk mit seiner verführerischen Mischung aus schauspielhaftem Tempo und musikalischer Beweglichkeit ist szenisch schwer zu knacken. Wer hier auf Realismus setzt, wird von der Musik, die selbst schon Handlung ist und in der alle Gesten, alle Bewegungen bereits mimisch auskomponiert sind, gnadenlos ausgezählt.
In diese Falle ist Andrea Moses in ihrer Stuttgarter Inszenierung getreten, die brav, bieder, ja banal mit lähmendem Aktionismus alle Gags nachstellt, vor der düsteren Kehrseite von Verdis Komödie der Verzweiflung aber Augen und Ohren verschließt. Symptomatisch für diesen fantasietötenden Nachhilfeunterricht, um nur ein Detail anzuführen: wenn Falstaff seinem gesungenen Porträt des flinken Kerlchens, das er einst als Page war, mit einem aus der Manteltasche gefingerten Foto nachhilft.
Alle Figuren in Moses’ Aktualisierung wirken klein, gerade weil sie uns in Jan Pappelbaums hölzernem Multifunktionshaus in Outfit, Accessoires und ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
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