Bemühte Stärke, gepflegte Schönheit
Bei Händel findet sich für alle etwas. Die emotionale Palette seiner Musik scheint unerschöpflich. Das Farbenspiel der klingenden Affekte ist so raffiniert, in so feinen Nuancen ausdifferenziert, dass nichts und niemand vorgeführt, auf die eine, vermeintlich wesenhafte Eigenschaft reduziert wird.
Auch wenn ihm, zumal dem risikofreudigen Theaterunternehmer in London, der Gedanke nicht fremd war, im Rahmen des zu seiner Zeit Möglichen ordentlich Eindruck zu schinden, sprich: die Koloraturen-Börse des Seria-Marktes mit kühnsten Titeln anzuheizen, liegt Händels eigentlicher Rang doch in der Kunst der Zwischentöne. Sein Werk, vor allem die Opern und Oratorien, bringt die Natur der menschlichen Existenz in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit zum Klingen. Deshalb fährt es uns auch 261 Jahre nach seinem Tod noch unter die Haut. Selbst wenn die Anstrengungen zu hören sind, die jede Erkundung seiner wundersamen Ausdruckssphären fordert.
Der Sopranistin Margriet Buchberger und dem Ensemble Il Giratempo, die dem unüberschaubaren Händel-Recital-Fundus nun unter dem Motto «Witches, Queens & Heroines» eine CD über starke Frauenfiguren hinzufügen, ist das Arbeiten am Material durchaus anzumerken. ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Albrecht Thiemann
«Ein Verbrechen, das einem die Krone bringt, ist keines.» Fast beiläufig lässt Lottario, der Enkel Karls des Großen, im Rezitativ diese Bemerkung fallen. Ein Credo – nicht nur seines, sondern dieser ganzen schrecklichen Familie, überhaupt all jener, deren Macht- und Besitzgeilheit sie über Leichen steigen lässt. Der Erste verröchelt schon am Boden, während George...
Der uralte Obsthain ist abgesperrt, der Garten ums Theater überwuchert. Dass man hierher nicht durch die Formschnittanlagen des Herrenhauses geleitet wird, sondern durch von Bauarbeiten verwüstete Brachen, sagt einiges. Dass hier überhaupt etwas stattfindet, aber auch. Festivalchefin Wasfi Kani war eine der ersten, die auf den britischen Inseln wieder etwas wagte,...
JUBILARE
Stein Winge absolvierte seine Ausbildung an der Academy of Dramatic Art in Oslo. Der Norweger, bereits als Produzent, Schauspiel- und Fernsehregisseur erfolgreich, wandte sich in den 1990er-Jahren verstärkt dem Musiktheater zu. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1993 mit seiner Lesart von Mussorgskys «Boris Godunow» am Grand Théâtre de Genève....
