Bemerkenswert ausgewogen
Das Urteil über Richard Strauss blieb lange gespalten. Ernst Bloch meinte schon in den Zwanzigerjahren, es sei schwer «über ihn ins Reine zu kommen». Und noch zum 50. Todestag schrieb der Musikwissenschaftler Volker Scherliess, es liege auf der Hand, dass zwischen der Erfolgsverwöhntheit von Strauss und seinem künstlerischen Schaffen eine Beziehung bestehe: «Wer selbst keine existenziellen Probleme bewältigen muss, wird sie auch künstlerisch nicht artikulieren wollen.
»
Andererseits hatte Strauss auch jenseits der hagiografischen Literatur prominente Fürsprecher wie etwa Glenn Gould. Und natürlich wurden seine Werke (fast ausnahmslos) vom Publikum gefeiert; sogar die Skandalopern «Salome» und «Elektra» liefen von Anfang an blendend. Im Kontext der Nachkriegsavantgarde spitzte sich die mehr oder weniger offene Pro- und Contrahaltung zu, und das blieb noch bis zur Jahrtausendwende so: Kaum trat ein Forscher auf den Plan, der zum Beispiel eine tiefe Verbundenheit von Strauss mit der Kulturpolitik der Nazis behauptete und belegte (wie Gerhard Splitt), dauerte es nicht lange, bis jemand das relativierte und Strauss als letztlich harmlosen, egomanen, aber gutwilligen Mitläufer beschrieb ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Stephan Mösch
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Mut zum Scheitern, Lust am Gelingen
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