Belcanto mit Orientalismen
Emilio Arrieta (1821–1894) wusste, was man als Komponist einer Mäzenin wie Königin Isabella II. schuldet. Die zweite Oper, «La Conquista di Granata» (Die Eroberung von Granada) wurde 1850 am Madrider Hof uraufgeführt – und der in Mailand ausgebildete Navarreser tat darin alles, um die Vorgängerin seiner royalen Gönnerin ins beste Licht zu rücken.
Dass die Oper rasch in Vergessenheit geriet, verwundert wenig: Wie die Geschichte hier zurechtgerückt wird, ist schon ein starkes Stück.
Das Grundgerüst bildet die Eroberung der von den Mauren besetzten Stadt Granada, die 1492 das Ende des letzten muslimischen Herrschaftsbereichs markierte. Auch die Entsendung von Kolumbus wird mitverbraten, bevor das Volk die große Isabella I. feiern darf. Über die Grausamkeit der Reconquista gegen alle Nichtchristen fällt kein Wort. In Gießen werden diese dunklen Seiten per Video angedeutet: Eine Faust zerdrückt einen Granatapfel, aus dem der Saft wie ein Blutschwall strömt. Und der Drehbühnenaufbau zeigt menetekelgleich einen Textausschnitt vom Prunkgrabstein der katholischen Herrscherin – ein Hinweis auf die große Verehrung, die ihr (und der militärischen Großtat) zuteil wurde.
Die Handlung, die Verdis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Claus Ambrosius
Adriana Hölszky zählt heute zu den innovativsten, profiliertesten Komponistinnen der Gegenwart – umso mehr, als sie sich, anders als so manche prominenten Zeitgenossen, nicht vom Projekt der Moderne verabschiedet hat. Aus Anlass ihres 60. Geburtstags sind 2013 zwei Veröffentlichungen erschienen, die Annäherungen an die gleichermaßen komplexen wie weitverzweigten...
Erst spät, mit 35 Jahren, wagte sich Antonio Vivaldi an die Komposition von Opern. Für das Zusammentreffen mit dem verwöhnten Publikum seiner Heimatstadt Venedig ließ er sich noch ein Jahr länger Zeit, zunächst erprobte er sein Glück als Opernkomponist im provinziellen Vicenza. 1714 eroberte er dann mit «Orlando finto pazzo» das venezianische Theater Sant’Angelo.
Ü...
Der Komponist Manfred Gurlitt (1890-1972) vertonte fast gleichzeitig mit Alban Berg den «Woyzeck» von Büchner, der damals noch Wozzeck hieß. Das gelang ihm vorzüglich, weil er sich eng an die Vorlage hielt. Später vertonte er auch die «Soldaten» von Lenz. Das misslang aus dem gleichen Grund: Er hielt sich zu eng an die Vorlage. «Die Soldaten» – das ist die...
