Bein(kleider)freiheit

Hannover: Wagner: Siegfried

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Man kann sich bei Barrie Kosky auf einiges verlassen: seinen Hang zur Überbetonung, zum Showhaften, zum Gag. Aber mit ein bisschen Glück mischt sich zum Glamour auch die starke Geste, zum Vorlauten auch das stille Moment.



Für Letzteres ist im hannoverschen «Ring», der jetzt mit «Siegfried» in die Zielgerade einbiegt, vor allem das stumme Erda-Double zuständig: Evelyn Gundlach trug schon im «Rheingold» ihre nackte Haut zu Markte, sie versucht den Wanderer zu trösten, und sie wird, falls Kosky seine Essener «Götterdämmerung» für Hannover nicht völlig umschreibt, in Kürze auch hier den Abgesang der Götterwelt einleiten.

Die hat allerdings schon in Hannover im Wortsinne die Hosen herunterlassen müssen. Wotan/Wanderer streift nur in Unterhosen durch die Handlung, hat aber den längsten Speer aller Zeiten in den Händen. Weil der aber sehr unhandlich ist, bleibt der Göttervater schon mal hängen, noch ehe Enkel Siegfried die Speerspitze entmannt.

Auch Mime und Siegfried stapfen kniefrei durch dieses Bubenstück. Nur wenn der Held loszieht, um Brünnhilde zu minnen, darf er sich lange Hosen anziehen. Andernfalls würde ihn die Rocker-Braut wohl kaum ernst nehmen.

Nach einem kurzweiligen, manchmal ...

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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Rainer Wagner

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