Behauptungswille
Die großen alten Mythen wie Medea oder Phädra (um zwei aktuelle Beispiele zu nennen) haben derzeit Konjunktur auf der Opernbühne, und die Literaturoper, die einen literarischen oder theatralen Text mehr oder weniger eins zu eins in Musik zu übersetzen sucht, ist nach wie vor dominant. Jörg Widmann und Roland Schimmelpfennig sind in ihrem Werk den anderen, schwierigeren Weg gegangen: gemeinsam einen neuen Stoff zu entwickeln – wofür es freilich in der Operngeschichte erlauchte Vorbilder gibt (und vereinzelt auch aktuelle Beispiele).
Es geht, kurz gesagt, um die Möglichkeiten der Biotechnologie, genauer: das Klonen von Menschen – und im allgemeinen Sinn um das, was der Philosoph Günther Anders die «Antiquiertheit des Menschen» nannte, seine Inadäquanz in der selbstgeschaffenen Lebenswelt. Der Abstand zwischen dem, was der Mensch objektiv herstellen, und dem, was er sich subjektiv vorstellen kann: Genau davon handelt das Stück.
Patrizia, Chefin eines Biotech-Konzerns, lässt sich klonen, um mit diesem Wissenschafts-Coup den Börsenkurs ihres Unternehmens nach oben zu treiben. Ihr Mann Bruno – schon lange kaum mehr als ein Geschäftspartner – verliebt sich in die Kopie, die den Namen ...
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Herr Saccà, im «Fernen Klang» spielen Sie einen Komponisten, der von seiner Musik besessen ist. Sind Komponisten im wirklichen Leben auch so?
Ich habe bisher nur einen Komponisten besser kennengelernt: Herbert Willi, dessen Oper «Schlafes Bruder» ich in Zürich uraufgeführt habe. Auf den traf das Bild, das Schreker zeichnet, voll zu: Er hat wie besessen dieses...
Das Cover von Claudio Cavinas «Poppea»-Einspielung ist ein Akt posthumer Wiedergutmachung: Unter dem fett gedruckten Namen Claudio Monteverdis werden dort noch die venezianischen Komponisten Francesco Cavalli, Benedetto Ferrari und Francesco Sacrati als bislang identifizierte Miturheber des Erfolgsstücks aufgelistet, der letzte Posten in der Reihe lautet: «and...
Den 1981 veröffentlichten Roman «Bliss» von Peter Carey für das Musiktheater heranzuziehen, ist eine erstaunliche Wahl. Ein disparates, solipsistisches Prosawerk, das für die Bühne ungeeignet scheint. Man spürt die Problematik, wenn man Amanda Holdens Libretto liest. Struktur und Stil eines Textes tragen nicht unwesentlich zum Gelingen (oder Scheitern) der auf eben...
