Glasperlenspiel
Den 1981 veröffentlichten Roman «Bliss» von Peter Carey für das Musiktheater heranzuziehen, ist eine erstaunliche Wahl. Ein disparates, solipsistisches Prosawerk, das für die Bühne ungeeignet scheint. Man spürt die Problematik, wenn man Amanda Holdens Libretto liest. Struktur und Stil eines Textes tragen nicht unwesentlich zum Gelingen (oder Scheitern) der auf eben diesem Text basierenden Oper. In dem nun in Sydney uraufgeführten Stück ist das Material der Vorlage zu einem lose gefügten Melodrama arrangiert. Wie Glasperlen einer bunten Halskette reiht sich Episode an Episode.
Auf rund 30 Szenen und drei Akte hat die Librettistin die «Handlung» verteilt. Doch was dem Ganzen fehlt, sind glaubhafte Gefühle, ein emotionales Gerüst: Die Figuren bleiben blass, entfalten kaum einmal jene lebendige Interaktion, die gutes Musikdrama braucht.
Es geht um persönliche, familiäre und soziale Zerrüttungen, angetrieben von Habgier und hemmungsloser Libertinage. Während einer Geburtstagsfeier erleidet der Werbeunternehmer Harry Joy einen Herzinfarkt, von dem er sich nie mehr erholt. Er erkennt die Verwerflichkeit seiner Arbeit und verliebt sich (die achtziger Jahre lassen grüßen!) in eine «grüne» ...
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