Glasperlenspiel
Den 1981 veröffentlichten Roman «Bliss» von Peter Carey für das Musiktheater heranzuziehen, ist eine erstaunliche Wahl. Ein disparates, solipsistisches Prosawerk, das für die Bühne ungeeignet scheint. Man spürt die Problematik, wenn man Amanda Holdens Libretto liest. Struktur und Stil eines Textes tragen nicht unwesentlich zum Gelingen (oder Scheitern) der auf eben diesem Text basierenden Oper. In dem nun in Sydney uraufgeführten Stück ist das Material der Vorlage zu einem lose gefügten Melodrama arrangiert. Wie Glasperlen einer bunten Halskette reiht sich Episode an Episode.
Auf rund 30 Szenen und drei Akte hat die Librettistin die «Handlung» verteilt. Doch was dem Ganzen fehlt, sind glaubhafte Gefühle, ein emotionales Gerüst: Die Figuren bleiben blass, entfalten kaum einmal jene lebendige Interaktion, die gutes Musikdrama braucht.
Es geht um persönliche, familiäre und soziale Zerrüttungen, angetrieben von Habgier und hemmungsloser Libertinage. Während einer Geburtstagsfeier erleidet der Werbeunternehmer Harry Joy einen Herzinfarkt, von dem er sich nie mehr erholt. Er erkennt die Verwerflichkeit seiner Arbeit und verliebt sich (die achtziger Jahre lassen grüßen!) in eine «grüne» ...
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Dass sich hinter Franz Schuberts Opernfragment «Sakontala» allerlei musikalische Preziosen verbergen, weiß man spätestens seit dem Mitschnitt der Uraufführung bei den Musiktagen Bad Urach unter Frieder Bernius. Freilich machen elf Nummern, selbst wenn sie so gelungen rekonstruiert sind wie hier von Karl Aage Rasmussen, noch keine Oper. Vielleicht hat sich deshalb...
Das ging den New Yorker Verlegern und Broadway-Produzenten dann doch etwas zu weit: Ein Neger will eine Oper schreiben! Sicher, 1911 war Scott Joplin ein national bekannter Pianist, der «King of Ragtime», der mit «The Entertainer» oder dem «Maple Leaf Rag» echte Hits gelandet hatte – doch für den Vorstoß eines Farbigen ins seriöse Musiktheater-Genre war die Zeit...
Herr Fischer-Dieskau, vor nicht allzu langer Zeit habe ich ein Interview mit Ihnen gelesen, das einen resignativen Grundton hatte: Sie stellten darin vieles in Frage, auch den Sinn Ihres künstlerischen Schaffens. Ich war etwas erschrocken und dachte: Hat er das wirklich gemeint, oder hat man es ihm in den Mund gelegt?
Nein, das war so gemeint, und ich stehe auch...
